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Ich das meine, du das deine - von getrennten Schlafzimmern. Teil II.

Vor zwei Wochen ging es ums Thema Zusammenziehen: in die erste gemeinsame Wohnung als Paar. Wenn zwei diesen Schritt planen, wagen, umsetzen, dann geht das gesamte Umfeld implizit davon aus, dass das Paar aufgrund des Beziehens der gemeinsamen Wohnung nicht nur diese, sondern auch das Schlafzimmer, das Bett und überdies noch die Decke teilt. In den Köpfen gibt es da – bis anhin – relativ wenig Spielraum. Denn wenn es mal nicht so ist, läuten bei allen schon die Alarmglocken – „Das kann doch nicht gut gehen!“. Doch, kann es. Es gibt nämlich auch andere Möglichkeiten, das Zusammenwohnen zu gestalten, und somit gibt es auch viele Paare, die auf separate Schlafzimmer schwören. Das kann sogar absolut sinnvoll sein.

 

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen können: Vielfach haben Paare beispielsweise nicht denselben Tagesrhythmus, weil der eine beispielsweise früh raus muss und der andere bis spät arbeitet. Rhythmen können aber auch einfach wegen dem Lerche-Eule-Prinzip differieren. Und wenn dann die Lerche dreimal snoozt, bis sie aufsteht, kann das der Eule gehörig auf den Wecker gehen (tolles Wortspiel ;-)). Solchen Konflikten aus dem Weg zu gehen, sodass beide wirklich genügend Schlaf bekommen können, ist ein entscheidender Punkt. Schlafmangel führt ja bekanntlich nicht gerade zu einer entspannten Atmosphäre oder guten Nerven...

 

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Schlafqualität. Forschungen zeigen, dass Männer besser schlafen, wenn sie mit Frauen in einem Bett liegen, und dass Frauen bedeutend schlechter schlafen, wenn sie einen Mann neben sich haben. Diese Sachlage ist also denkbar unpraktisch. Denn schlechter Schlaf hat einen sehr grossen Einfluss auf die Lebensqualität.

 

Neben diesen zwei eher rationalen Abwägungen kommt jetzt aber das grosse Veto dazu: Das gemeinsame Schlafzimmer ist eine heilige Kuh. Die wenigsten Paare trauen sich, die Schlafzimmer auseinander zu nehmen aus Angst, dass dies als Ende ihrer Beziehung gedeutet werden könnte und sowieso, was denken wohl die Nachbarn, die Schwiegermutter und Freunde, wenn sie das sehen?!! :-/  In Hinblick hierauf sind also viele negative Vorstellungen und Konnotationen vorhanden. Die Erfahrung zeigt aber genau das Umgekehrte und zwar, dass viele Paare sehr viel glücklicher sind mit getrennten Schlafzimmern: weil sie a. besser schlafen, und b. sich mehr Mühe geben müssen, um gemeinsame Paarzeit zu haben. Getrennte Schlafzimmer einzurichten bedeutet nämlich weder „weniger Liebe“ und noch „weniger Geborgenheit“ – aber es bedeutet mehr Raum für sich und seine Gewohnheiten zu haben. So kriegt der Partner nicht alles mit, und diese Distanz weckt wiederum Interesse. Sex muss öfters an einem anderen Ort stattfinden als im eigenen Bett, man muss mehr dafür aufwenden um überhaupt Sex zu haben, denn: rüberrollen und zwei Hände hinüberschieben geht nicht mehr. Um ein erfülltes Sexleben zu haben, muss man sich ohnehin bemühen. Die Gefahr, sich körperlich zu distanzieren und weniger Sex zu haben, ist also nicht zwingend da. Es gibt durchaus Paare, die mehr Sex haben, denn wenn sie dann mal nebeneinander im Bett liegen, dann... Vergleichsweise ist die Routine des Alltags viel bedrohlicher.

 

Also, liebe Paare, nur Mut! Denkt nicht zu fest an die vielen Konventionen und Erwartungen. Probiert es einfach mal aus, und wenn es passt, dann passt’s. Und wenn nicht, dann seid ihr schnell wieder beim anderen unter die Decke geschlüpft. 

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Zusammenziehen, getrennte Schlafzimmer, getrennt zusammenleben? Teil I.

Die nächsten paar Male geht’s ums Thema Wohnen: Übers Zusammenziehen, in getrennten Schlafzimmern schlafen, zusammenwohnen obwohl man getrennt ist oder ums getrennt wohnen, obwohl zusammen. Aber der Reihe nach:

 

Am Anfang war – die erste gemeinsame Wohnung. Klassischerweise läuft das so ab: Ein Paar ist schon lange zusammen und hat das Gefühl, dass es langsam Zeit wäre, einen Schritt weiterzugehen und eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Soll das Paar das machen oder soll es dies besser lassen? Dies ist überhaupt kein leichter Schritt. Und es soll insbesondere auch kein leichtfertiger Schritt sein. Ein paar Dinge gibt es also zu bedenken:

Ob ein Paar letztlich soll, kommt immer auch auf die Ausgangslage an: sind beide noch zuhause, oder wohnt die eine schon alleine und der andere noch zuhause, oder haben beide eine eigene Wohnung? Sind auf der einen oder gar auf beiden Seiten Kinder im Spiel? Diese unterschiedlichen Situationen ändern sehr viel an der gesamten Konstellation. Was man sich auf jeden Fall bewusst machen sollte ist, dass mit dem Schritt des Zusammenziehens Probleme nicht weniger werden, sondern sich ebendiese verstärken. Es kommt nicht selten vor, dass ein solcher Schritt wie der des Zusammenziehens in einem Moment erwogen wird, in welchem Schwierigkeiten vorhanden sind.

Zusammenwohnen ist aber nicht so einfach, wie alle immer sagen. Jeder bringt seine Gewohnheiten mit, gute wie schlechte, und braucht normalerweise einen gewissen Raum für sich selbst. Das heisst, dass man sehr gut vorbesprechen sollte, wer was von wem erwartet und erwarten kann. Auch sollte man im Vorfeld abmachen, wie oft man sich sieht. Die meisten Paare machen ja, solange sie nicht zusammenwohnen, grundsätzlich ab miteinander, und wollen eine gewisse Regelmässigkeit darin. Das Zusammenziehen erweckt dann den Eindruck, dass man sich ab jetzt immer und die ganze Zeit sieht. Meistens ist es dann entweder so, dass man sich total auf den Wecker geht, eben weil man sich ununterbrochen sieht, oder aber weil man sich überhaupt nicht mehr sieht. Weil nämlich beide ihr eigenes Programm haben und dann eigentlich nur noch von Mitternacht bis morgens um sechs Uhr nebeneinander liegen.

 

Den „richtigen“ Zeitpunkt für das Zusammenziehen gibt es so pauschal übrigens nicht. Es hilft aber sicher, wenn man sich schon besser kennt, wenn man also auch negative Seiten vom anderen schon erlebt hat. Es hilft sicher auch, wenn man schon einmal zusammen in den Ferien gewesen ist und ausprobiert hat, lange nah aufeinander zu sein. Allerdings: wenn man weiss, dass man eine begrenzte Zeit hat – wie in den Ferien –, dann gibt man sich natürlich auch viel mehr Mühe und ist wesentlich unkomplizierter, als man es wäre, wenn man nun definitiv in dieselbe Wohnung gehört und immer mit der anderen Person sein muss. Dann bekommt das Ganze natürlich eine andere Intensität.

 

Ich muss aber auch sagen: Das schlimmste, was passieren kann ist, dass man wieder auseinanderzieht – was viel weniger schlimm klingt, als es ist. Denn auseinanderziehen heisst noch lange nicht, dass man sich trennt. Es gibt nämlich viele Paare, die sich dazu entscheiden, sich räumlich wieder zu trennen, da sie ihren eigenen Raum brauchen, und dann aber viel mehr in die Beziehung investieren können. Darüber geht’s dann eines der nächsten Male.

Der häufigste Grund, dass das Zusammenwohnen nicht klappt, sind: Die Socken! :-) Das tönt jetzt wahnsinnig lächerlich, aber es ist in der Tat im Normalfall das, woran sich Paare gegenseitig aufreiben: die ganz kleinen Sachen wie Haare im Lavabo, die geöffnete Kaffeedose oder eben die herumliegenden Socken. Hier wird aber etwas verwechselt – und fälschlicherweise geurteilt, dass das Gegenüber einen nicht ernst oder wahr nehme. So geht es letzten Endes überhaupt nicht mehr um diese Socken, sondern um die Liebe, und die Beziehung wird in Frage gestellt. Hierzu gibt es zwei Überlegungen: Warum nimmt man das Ganze so ernst? Warum hängt man sein Glück also an solchen Kleinigkeiten auf? Andererseits: Warum ignoriert der Partner im Wissen darum, wie wichtig es für den anderen ist? 

 

Was tun? Es hilft sicher, dass man es ernsthaft miteinander diskutiert. Aber bitte: nicht nörgeln. Nörgeln nervt. Steter Tropfen höhlt den Stein. Daher: kom-mu-ni-zie-ren. Richtig. Das heisst: Ein Gespräch abmachen. Und zwar dann, wenn beide Zeit haben. Miteinander spazieren gehen und die Hausregeln aushandeln. Fertig.

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Männer und die Paartherapie

Man sagt den Männern ja gerne nach, dass sie ein wenig therapieresistent seien, wenn es zum Beispiel um eine Paartherapie geht. Vermutlich erwartet man nun von mir, dass ich dies für totalen Blödsinn erkläre. Man möge mir verzeihen: dieser Vorwurf an die Adresse der Männer ist halbwegs richtig. Männer sind sich nämlich nicht so sehr gewohnt, solchen Therapien von sich aus Vorschusslorbeeren zu geben. Sie sind eher selber die Macher – oder meinen dies zumindest, indem sie sagen und nicht machen – und haben daher auch ganz lange das Gefühl, dass sie alles im Griff haben. Daher muss es in ihren auch eine Lösung geben für jedes Problem. Abgesehen davon halten sie es für peinlich, wenn man sich an andere Leute wenden muss, um Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Nicht umsonst dauert es bei den Männern durchschnittlich sechs Jahre, bis sie zu einem Arzt gehen, auch wenn sie die ganze Zeit unter Schmerzen leiden.

 

Wenn es nun in einer Partnerschaft kriselt und das Thema Paartherapie aufs Trapez gebracht wird, sie gerne eine Therapie in Angriff nehmen möchte und er sich dagegen sträubt, sollte man diesen Schritt aber unbedingt trotzdem gehen. In erster Linie geht es darum, diesen Schritt, das Ganze anzuschauen, zu wagen, und dies lohnt sich jederzeit. Denn es ist immer gut, wenn eine dritte, aussenstehende Person dabei ist und man selbst bereit ist, den Ansichten und der Meinung dieser Person ein Stück weit zuzuhören. Man wird Sachen zu hören bekommen, welche man von der Partnerin oder dem Partner nur sehr schlecht oder gar nicht annehmen kann. Manchmal wirkt es auf Frauen sehr beunruhigend, wenn sie sich anhören resp. gespiegelt bekommen, was sie selbst nicht so toll machen. Und so kommt es auch vor, dass Männer sogar beginnen ihre Frauen zu verteidigen. Ganz lustige Muster tauchen da auf...

Wenn man in einer solchen Therapie als Mann merkt, dass diese dritte Person nicht einfach zwangsläufig auf der Seite der Frau steht und ihm dauernd vorwirft, was er alles schlecht mache – denn es ist das, was viele Männer befürchten – sondern dass diese Person durchaus kritisch hinschaut; ja so kann dies eine sehr gute Erfahrung sein – wider aller Erwartungen.

 

In meiner Praxis habe ich viele Paare, die eine Therapie starten, und zwar aufgrund unterschiedlichster Probleme. Doch in praktisch allen Fällen beobachte ich, dass die Männer total skeptisch an die Sache herangehen und sich aber nach wenigen Sitzungen eingestehen müssen, dass dies doch eine ganz gute Sache ist – meistens sind es nämlich die Frauen, welche die Therapie anmelden möchten. Viele merken in der Tat sehr schnell, dass man in diesem Setting viel ruhiger reden kann, dass Themen auf den Tisch kommen, welche auch sie betreffen und bei welchen sie sich bis anhin nicht gehört gefühlt haben. So gestehen dann doch die meisten ein, dass sich die Therapie durchaus sehr lohnt.

Es gibt natürlich auch Männer, welche eine Paartherapie in Angriff nehmen möchten. Ein wenig grob ausgedrückt kann man aber sagen, dass in Fällen, in welchen sich der Mann meldet und die Frau eher nicht motiviert ist mitzukommen, die Beziehung meistens gelaufen ist. Das ist zwar hart, aber dennoch eine Beobachtung: Frauen kämpfen extrem lange für ihre Beziehung und sind auch ganz lange bereit, sehr vieles zu tun. Aber wenn die Sache für sie quasi gegessen ist und sie die Therapie nur aus reinem Goodwill mitmacht – dann hat sie sich innerlich meistens schon aus der Beziehung verabschiedet.

 

Drum, liebe Männer: scheut euch nicht, diesen Schritt zu wagen, bevor Hopfen und Malz verloren sind. Aber: nicht jeder Therapeut passt zu jedem Patienten. Jeder soll sich die Freiheit nehmen, mehrere Therapeuten auszuprobieren. Nicht sofort aufgeben, wenn der erste nicht passt. Hier geht’s schon mal zu meinem Kontakt :-) 

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"Pussy Slapping" - O! M! G!

Ein neuer Trend macht die Runde, wie watson.ch gestern titelte. "Slap her the pussy" - was soll jetzt das schon wieder?

Bei Jugendlichen ist naturgemäss die Sexualität resp. die Entdeckung ebendieser mega ein Thema. Daher kommen sie auch immer wieder auf neue Ideen, was sie mit ihrem Geschlecht machen können. Dazu gibt es nichts einzuwenden, gehört das doch zur sexuellen Entwicklung dazu.

Eine junge Frau sollte aber unbedingt lernen, dass sie auch nein sagen kann und sich nicht einem Gruppendruck biegen muss - insbesondere bei solchen Trends.

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Keine Lust auf Sex! – Und jetzt??

Er kann in den besten Beziehungen vorkommen, der „Alles-läuft-suuuper-aber-im-Moment-haben-wir-nicht-so-Lust-auf-Sex“-Zustand. Es gibt Zeiten in der Beziehung, wo das Bett lediglich dem Schlaf vorbehalten ist und der Beischlaf auch nicht woanders, sondern schlicht gar nicht stattfindet. Das wird dann zuhause zwar selten thematisiert, aber da dies verglichen mit den Schweizer Bett-Studien und Beischlaf-Statistiken als total abnormal wahrgenommen wird, begleitet das Thema dann doch niederschwellig durch den Alltag.

Ist sie denn ein Problem, diese intime Ruhe? – Ja und Nein, denn: es kommt sehr darauf an, wie häufig dieser Zustand vorkommt. Hat man einmal keine Lust, ist das gar kein Problem. Aber wenn man in eine Phase kommt, in welcher die Lustlosigkeit vorherrschend bleibt, wird sie irgendwann (bald) zum Normalzustand. Und einem Normalzustand zu entkommen, ist wesentlich schwieriger.

Es gibt natürlich eine gewisse Latenzzeit, in welcher man diesen Zustand akzeptieren kann und auch sollte. Denn in einer Beziehung müsste es auch drin liegen, dass es nicht immer in demselben Rhythmus läuft mit dem Sex – so wie auch anderes nicht immer denselben Charakter hat. Aber sobald man merkt, dass es normal geworden ist, keinen Sex mehr miteinander zu haben, dann sollte man sich an der Nase nehmen und beginnen, daran zu arbeiten, und zwar so: Indem man auch mal Sex hat, wenn einem nicht so wahnsinnig danach ist. Mindestens um der Sache Vorschub zu leisten, dass der Hunger ja beim Essen kommen könnte. Ein Vergleich: Manchmal passiert es mir, dass ich überhaupt keine Lust habe gewisse Leute zu sehen, mit welchen ich mich verabredet habe, mich dann aber aufrapple und sie treffe. Und wenn ich ihnen dann gegenüber sitze, mache ich wunderbare Erfahrungen und habe einen super Abend. Und diesen hätte ich ja nicht gehabt, wenn ich mich dazu entschieden hätte, dass, „ach! ich bleibe lieber zuhause und schaue Netflix..“

 

Es liegt also ein Quäntchen Wahrheit im Spruch „Die Lust kommt beim Essen“. Wie ich mich dabei verhalte, liegt aber bei mir. Ich kann natürlich mit einem sauren Stein und nach unten gezogenen Mundwinkeln anfangen zu essen – dann kommt der Hunger gewiss nicht. Wenn aber meine Mundwinkel nach oben zeigen und ich probiere, alles Schöne aus dem Essen herauszuschmecken, die verschiedenen Gerüche versuche wahrzunehmen, das Essen versuche zu geniessen, dann ist die Chance relativ gross, dass das Essen auch schmeckt (unter der Bedingung natürlich, dass gut gekocht wurde.. :-)). Sprich: man kann sich entweder auf den Sex einlassen, total versteift, die Beine zusammenklemmend und sagend, dass das ja eh doof ist und ich eigentlich ja sowieso nicht will – dann kommt die Lust selbstverständlich nicht –, oder aber man versucht für zehn Minuten Vollgas zu geben und sich von Kopf bis Fuss darauf einzulassen – dann ist die Chance relativ hoch, dass es auch Spass machen wird.

Und wer es dabei schafft, auch für sich selber mehr aus dem Sex zu holen, mehr davon zu profitieren und diesen nicht nur als Gefallen für den Partner anzuschauen, ja der kommt dann irgendwann selbst wieder auf die Idee, Sex haben zu wollen. Um zu diesem Punkt zu kommen, braucht’s aber eine gewisse Regelmässigkeit. Ansonsten bleibt es ein inneres Verhandeln, und die Schwelle, sich auf etwas einzulassen, wird stetig höher. Für all jene, die behaupten, keine Zeit für solche Experimente zu haben, zu guter Letzt wieder mal mein Lieblingstipp: Agenda zücken, Date abmachen. Viel Spass! :-)

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Sexuelle Fantasien in der Partnerschaft

Schlafzimmer-Studien sind faszinierend, waren sie schon immer, man kuckt ja gerne über Gartenzäune und vergleicht. Studien über „Wie oft hat der Durchschnittsmensch Sex pro Woche“ sind die Klassiker dabei, und auch ich habe in meiner Lizenziatsarbeit eine gross angelegte Studie zum Sexualverhalten der deutschsprachigen SchweizerInnen durchgeführt, woraus das Schweizer Fernsehen dann sogar einen DOK gemacht hat.

Studien und Statistiken sind äusserst spannend, wenn auch nicht immer sehr repräsentativ. Das sei nun aber mal dahingestellt. Nun, in einer aktuellen Studie zum Thema „Sexuelle Fantasien“ gaben die Hälfte der Frauen und Männer an, sie würden ihre sexuellen Fantasien in ihren Beziehungen nicht ausleben. Dieses Resultat überrascht, aber im Positiven. Ich wäre nämlich, ganz ehrlich, davon ausgegangen, dass weniger ihre Fantasien ausleben.

Dass es gewiss nicht mehr sind, ist für mich total logisch. Denn: es ist ein sehr einfacher Prozess, welchen die (meisten) Paare durchlaufen. Am Anfang trifft man sich, beide haben ihr sexuelles Erleben, man probiert ganz vieles miteinander aus, und sortiert dann aber sehr schnell aus – aufgrund der Feststellung, dass das eine dem Schatz nicht so sehr gefallen hat, das andere nicht so recht geklappt hat, er dort die Nase gerümpft oder sie da irgendwie eher verstört gekuckt hat. Als liebevoller Partner sondert man automatisch aus, bis man nach rund sechs bis neun Monaten Beziehung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gelandet ist – und dort bleibt. Und zwar für ziemlich lange.

 

Bezüglich sexuellen Fantasien verläuft es dann nämlich etwa so: Jedes Mal im Bett (oder anderswo), wenn man denkt, dass jetzt doch eigentlich eine Fantasie hochkäme, die einen reizen würde, dann braucht es extrem viel Mut, diese Dinge beim Namen zu nennen. Denn die Risiken, die mit einer Offenbarung verbunden sind, werden als sehr hoch eingeschätzt, weil das Gegenüber ja negativ reagieren könnte. Viele sagen auch, dass sie Angst hätten, den Partner mit ihrer Fantasie zu schockieren. Man hat ja schliesslich ein Bild von ihr resp. ihm, und die eigene Fantasie würde ja grad gar rein nicht zu diesem Bild passen. Allerdings: nicht jede Fantasie will man leben, und ganz viele Fantasien fühlen sich in der Realität auch ganz anders bis total doof an – diese Fantasien muss man demnach auch gar nicht ansprechen resp. umsetzen.

Oftmals ist das ausbleibende Gespräch aber Ausdruck für das Gefühl sich selbst gegenüber: Man merkt, dass man sich vielleicht ein wenig schräg findet mit dem, womit man fantasiert, ja dass man sich sogar als absurd oder pervers empfindet, so etwas zu wollen. Und genau hier scheitert es – weil man denkt, dass man sich dem anderen ja nicht zumuten könne. Und wenn das Gegenüber dann auch noch negativ reagiert, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

 

Nun, wie kommt man aus dieser Zwickmühle heraus? Mit meinem Alleskönner: Der Kommunikation! J Unbedingt ansprechen, sowas! Unbedingt sich zeigen mit seinen Bedürfnissen, auch einfordern, dass man wieder miteinander spielen und ausprobieren will, weil die Sachen auch schiefgehen dürfen – es darf im Bett peinlich sein, und auch mal verkrampft. Das ist total in Ordnung. Sex soll nichts zu Ernstes sein, sondern Spass machen. Und da gehört es auch dazu, dass man über sich selber lachen kann. Aber wenn man den Spielprozess nicht wieder aufnimmt, dann wird es unglaublich langweilig beim Sex, und logischerweise hat man dann früher oder später keine Lust mehr auf diesen langweiligen Sex, und dann – ja, dann blöd. 

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„Redet miteinander!“ – Kommunikation in der Beziehung

Es heisst ja immer (und ich betone es auch immer), dass Kommunikation in einer Partnerschaft sehr wichtig ist – man soll ehrlich über die Sachen reden, man soll offen die Schwierigkeiten ansprechen, und man dürfe solches nicht immer rausschieben. Aber mal ehrlich: muss man im Alltag immer über jedes (jedes!) Problem reden und alles in ganzer Länge ausdiskutieren? Oder was heisst den „offene und ehrliche Kommunikation“ in der Partnerschaft?

Vorab: nein, man muss nicht alles zu Ende diskutieren. Und auch wenn jetzt die lesenden Frauen laut aufschreien und die Männer sagen „Gsehsch, das hani doch immer gseit!“, haben beide doch nicht recht. Etwas sollte aber ganz klar sein: Probleme müssen besprochen werden. Das ist quasi ein Gesetz, und davon sollten wir nicht abweichen. Und genau das tun wir aber. Immer und überall. Weil es angenehmer ist. Man sollte als Paar aber durchaus einen Rhythmus finden, bei welchem man sagt, dass man es jetzt einfach mal gemütlich hat miteinander, dass der Alltag und die Organisation von ebendiesem im Vordergrund stehen. Und nicht jeden Moment, den man miteinander hat, nützt, um gerade irgendwas zu bewältigen.

Als Beispiel ein klassisches Thema: Geld. Führt in den meisten Beziehungen zu Problemen. Und jedes Mal, wenn etwas eingekauft wird, gibt es ein grosses Drama. Und jedes Mal, wenn man dann abends auf dem Sofa sitzt und die Kinder endlich schlafen, heisst es dann auch: „Weisch und jetzt müemer doch mitenand redä“. Das macht aber keinen Sinn. Ein wesentlich besseres Vorgehen für solche Themen: Agenda zücken, Termin vereinbaren. Sodass beide dann auch vorbereitet sind, um dieses Thema zu besprechen. So muss der Mann auch nicht dauernd in Hab-Acht-Stellung sein, um seine Mauer hochfahren zu können, sobald das Thema zum Thema werden könnte, und die Frau nicht die ganze Zeit wie ein Luchs warten muss, um dann bäm! in einem solchen Moment auf ihn loszuspringen.

Es gibt wenige Themen, die man unmittelbar thematisieren sollte. Meistens sind dies nämlich nicht unmittelbar lebenswichtige Sachen, die anstehen, sondern Themen, bei welchen sich ein Paar immer wieder in die Haare kriegt. Und genau da reicht es, wenn man ein wenig Druck rausnimmt, indem man sich vorbereitet und Zeit nimmt und das Problem sortiert. Denn um die wirklich wichtigen Dinge zu besprechen, sollten beide Partner unbedingt in der Verfassung sein. Und so soll ein Paar aber auch schöne Zeiten miteinander haben dürfen, auch wenn man weiss, dass es Themen gibt, bei welchen man sich uneins ist.

Fazit: Ich bestehe weiterhin darauf, dass man ehrlich und offen in der Partnerschaft kommunizieren soll. Was genau „ehrlich“ heisst, erzähle ich ein anderes Mal... 

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Love me, Tinder, love me true..

Dank der sozialen Medien kann man sich ja auch über Internetplattformen und vor allem über Apps wie Tinder oder Happen kennenlernen. Und wenn man sich dann frisch verliebt hat, braucht man diese Flirt-Apps nicht mehr und kann sie löschen. Sollte man meinen. Offensichtlich gibt es aber einige, die diese Apps auf dem Handy behalten möchten, auch wenn sie nicht mehr Single, sondern in einer Beziehung sind. Das sorgt natürlich für heftige Diskussionen, wenn die Partnerin/der Partner (tendenziell eher die Partnerin...) zufälligerweise davon erfährt. Wenn ein jemand diese App also behält – ob er sie nun weiternutzt oder nicht –, ist die Frage vom Gegenüber nach „wtf soll das eigentlich?!“ sehr berechtigt. Vielleicht geht es darum, dass dieser jemand damit sein Ego pflegt, oder den eigenen Marktwert bestätigt haben möchte, um sich besser zu fühlen? Vielleicht geht es aber auch darum, dass die Angelächelte doch nicht die Wahre ist und der jemand eigentlich auf der Suche nach einer anderen Lösung ist..? Vielleicht findet man ja noch was Besseres.. Der Konflikt ist auf jeden Fall vorprogrammiert, das Vertrauen ziemlich angekratzt.

 

Ist man in einer Beziehung, sollte man sein Konto also unbedingt löschen. Keine Frage. Die Frage ist aber vielmehr, ab wann es eine „Be-zie-hung“ ist (und man also auch auf solche Apps verzichten sollte). Und hier gibt es einen Unterschied, wie Frauen und Männer in Beziehungen einsteigen: Frauen sehen schneller eine Beziehung in einem Flirt, während Männer das Ganze lange etwas unverbindlicher anschauen und auch damit argumentieren. Natürlich macht es auch wenig Sinn, nach wenigen Dates bereits das Gegenüber als Frau oder Mann des Lebens zu bezeichnen. Das schafft einen immensen Druck, der nicht nötig ist, sondern eine Spannung kreiert, die zu heftig ist.

Auch hier gilt also: Kommunizieren. Und zwar am besten offen und ehrlich.

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Mit offenen Karten: Mo-no-ga-mie.

Monogamie – emotionale und sexuelle Treue also. In den meisten Beziehungen, zumindest in unserem Kulturkreis, wird sie implizit erwartet. Sie wird als logisch empfunden, aber unausgesprochen. Und doch wird sie immer wieder zum Thema. Und zwar dann, wenn sie in Frage gestellt wird. Durch irgendwelche Wünsche oder Bedürfnisse des einen oder der anderen, wenn der eine oder die andere sie nicht mehr möchte oder sich nicht daran gehalten hat. Alltag und Statistiken zeigen uns, dass so manches Paar Mühe hat damit, dieses monogame Modell zu leben, und mit der Aufrechterhaltung dieses Konzepts hadern, insbesondere in Langzeitbeziehungen. 50% der Ehen werden geschieden, in einem grossen Teil davon führt die Untreue zur Trennung. Wieso dann diese Monogamie?

 

Wichtig hierbei zu bemerken ist: Der Mensch ist eigentlich nicht gemacht für die Monogamie. Unsere Bedürfnisse, Fantasien, Wünsche und die Lust gehen immer in ganz viele verschiedene Richtungen und Endungen, was auch gut ist so. Es ist also viel mehr die Frage des Umgangs damit – ob ich all diesen Bedürfnissen nachspringe oder gewisse Sachen einfach unversucht lassen kann. Man muss sich also klarmachen, dass es im Leben Sachen gibt, auf welche man verzichten muss. Dass es der eigene freie Wille ist zu sagen, dass man etwas nicht bekommt, das man will, dass man eine Grenze wahrnimmt und merkt, dass man diese nicht überschreiten kann, obwohl es gerade seeehr weh tut.

Dabei ist es wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass es normal, gut und richtig ist, dass man sich für andere interessiert. Denn dies zeigt auf, dass der oder die eine nicht die einzig wahre Person ist und dass nicht gar nichts mehr ist, wenn diese eine Person weg ist.

 

Es gibt viele Leute, die diesem Klintsch mit ihren biologischen Bedürfnissen Rechnung tragen, offene Beziehungen führen, polyamor leben, was durchaus eine Variante darstellt. Das A und O ist allerdings, dass man darüber spricht und den Rahmen der Beziehung genau definiert. Gemeinsam. Man sollte sich unbedingt damit auseinandersetzen, sich bewusst werden, was man will, und damit, was für Konsequenzen auf einen zukommen mit welchem Art Modell, das man wählt.

 

Fakt ist: Die meisten wünschen sich eine monogame Beziehung. Dabei geht es insbesondere um die Angst, den anderen zu verlieren. Monogamie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, Struktur, Vorhersehbarkeit und Kontrolle. Denn man kann davon ausgehen, dass der andere nur einem selbst „gehört“. Was sich über die Jahre allerdings geändert hat ist, dass diese/r andere immer mehr erfüllen muss. Während die Frau früher fürs Zuhause und die Brut verantwortlih war, ist sie heute zusätzlich für ein weiteres Einkommen und die Befriedigung des Mannes zuständig und bildet somit quasi ein ganzes Package. Und auch vom Mann wird mehr abverlangt – er ist nicht mehr nur Ernährer, sondern auch Freund, Kinderbetreuer, Haushaltshilfe und Liebhaber. Viele von uns überfordert das alles. Je nach Schicht war es früher sogar üblich, dass man Liebhaber hatte, und dass man zu Prostitutierten ging, war total normal.

Die gegenseitige Abhängigkeit von Mann und Frau war noch vor wenigen Jahrzehnten immens – die gesamte Ökonomie eines Haushalts war darauf ausgerichtet. Die gelebte Monogamie konnte kaum in Frage gestellt werden – und wurde in den letzten Jahrhunderten durch das viel frühere Ableben auch eher mal beendet. Heute MUSS man aber nicht mehr monogam leben, man KANN. Und daher muss man sich entscheiden, was man will.

 

Fazit:

Das Traumbild dieser lebenslangen Treue weicht ab von der Realität – Monogamie fliegt einem nicht einfach zu. Man kann aber lernen, dieses Traumbild mit viel Arbeit und emotionalem Aushalten aufrechtzuerhalten. Den Aufwand dafür muss man aber selber betreiben. Das Wissen um die abweichenden, biologischen Bedürfnisse kann einem dabei helfen auszuhalten, in einer monogamen Beziehung zu bleiben und zu akzeptieren, dass sie phasenweise einfach *scheisse* ist.

Durch gewünschte und verbindliche Monogamie kann man aber auch viel gewinnen: Eine Intimität und Nähe, die man erst erlangen kann, wenn man viele Jahre und viele Phasen zusammen erlebt und durchlebt hat.

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Werbung in eigener Sache..

Heute wird ausnahmsweise nicht gebloggt - denn in einer Woche startet die Crowdfunding-Kampagne für mein Herzensprojekt "Let's talk about Sex - Das Buch!".

Auf https://www.facebook.com/letstalkaboutsexcomic/ gibts Informationen und News und ab dem 18.11. Punkt 10 Uhr auch den Link zu wemakeit.ch!

 

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„Was hast du denn da, Frau Doktor?“– Ein Blogbeitrag für die Eltern

„Was hast du denn da, Frau Doktor?“– Ein Blogbeitrag für die Eltern

 

Man hört die Kinder im Zimmer nebenan kichern, „Zeig mal, hihi, därfi mal alange hihi“,erfährt dann später, dass die Julia „imfall“ keinen Penis hat und wird gefragt, warum man eigentlich ein Junge sei.. In diesen „Doktorspielen“ entdecken Kinder gegenseitig ihre Körper, unter anderem auch die Geschlechtsteile. Viele Eltern machen sich dann Sorgen, oder fühlen sich beschämt, unangenehm betroffen. Und so werde ich immer wieder – in der Praxis, aber auch im Privaten – gefragt, wie man damit umgehen soll, wenn die Tochter sich eingehend untersucht oder beim Bruder lauthals in der Öffentlichkeit kommentierend nachkuckt. Man sollte sich aber keineswegs Sorgen machen, respektive nur dann, wenn diese Erkundungsspiele nicht stattfinden, denn sie sind ein wichtiger Entwicklungsschritt.

Kinder müssen ihren eigenen Körper kennenlernen, und dazu gehört auch das Geschlecht. Und da die meisten von uns nur ein Geschlecht besitzen, ist es wichtig, auch das Geschlecht des anderen entdecken zu können, alles anzukucken, anzufassen, um zu schauen, wie sich was anfühlt und wie es sich benimmt. Kinder untersuchen aber auch alle Körperteile des gleichen Geschlechts, denn sie möchten auch dieses gründlich kennenlernen und werden merken, dass der andere ja auch so einen Penis oder das Mädchen so eine Scheide hat, aber dass dieser oder diese hmmmmmm doch ein wenig anders aussieht. Genauso sehen sich Kinder ja auch Nasen an und merken, dass die Nasen bei anderen anders aussehen.

Wenn sich Kinder des gleichen Geschlechts genaustens ankucken, darf man also keineswegs eine sexuelle Vorliebe hineininterpretieren. Es handelt sich dabei um eine Rückversicherung, wie der eigene Körper und wie der Körper der oder des anderen ist – das gibt Sicherheit. Genauso spielt es keine Rolle, ob ein Junge mit Barbies oder ein Mädchen mit Autos spielt – das ist keine Veranlagung zu irgendwas. Das heisst, man sollte die Kinder einfach machen lassen, respektive sie sogar ermutigen indem man nachfragt, was sie gesehen, gespürt haben, wie sich was angefühlt hat, ob es schön war, und ihnen auch die Erlaubnis geben, sich für die Geschlechtsteile zu interessieren. Kinder, die diesbezüglich eine positive Erfahrung machen und auch die Unterstützung erfahren, können viel besser einschätzen und kommunizieren, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Das sind Kinder, die sich viel besser wehren können, die auch der Mama sagen können, dass Paul oder Britta etwas gemacht haben, das sie nicht so schön fanden. So kann man die Kinder indirekt auch besser schützen, da man ihnen auf diese Art viel mehr Selbstvertrauen gibt.

Also liebe Eltern: auch wenn es manchmal schwierig ist, damit umzugehen: Empört euch nicht, sondern ermutigt euch!

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Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil II.

Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil II.

 

Im ersten Teil vor zwei Wochen ging es darum, dass die müde Mama keine Lust hat und woran das liegen kann – weil sie müde ist, sich oftmals nicht sehr sexy fühlt, ökonomisch abrechnet und daher den Schlaf dem Beischlaf vorzieht. Die Mama kann aber dagegensteuern, wenn sie dies möchte – und darum geht es in diesem zweiten Teil.

Vorab aber noch ein weiterer, unbedingt zu berücksichtigender Aspekt dazu: Biologisch gesehen brauchen Frauen 10 bis 15 Minuten, um ihr Geschlecht überhaupt einmal aufzuwärmen. Ein Mann ist tendenziell innerhalb von einer Minute aufgeheizt. Nur schon daran scheitert es oft. Der Mann kommt aufgeladen zu ihr und wundert sich, dass sie eher abweisend reagiert. Er hat das Gefühl, dass sie zu wenig Interesse hat, während sie aber umgehend bemerkt, dass er schon erregt, sie selber aber überhaupt noch nicht parat ist. Das heisst: sich Zeit nehmen, resp. dem Gegenüber Zeit geben. Nicht grad alles in den Wind schiessen, sondern mal anfangen und schauen, ob der Hunger beim Essen kommt.

 

Stellt sich also mal die Frage, warum es am Anfang der Beziehung funktioniert hat. Am Anfang helfen die Hormone – die kurbeln massiv an und geben viel Echo in die Scheide. Generell kann man aber feststellen, dass sich die Paare zu Beginn fünfmal mehr bewegen als später. Die Lust am Erforschen des anderen Körpers rief nach Bewegung. Man ertastete sich, machte mehr Stellungswechsel. Die emotionale Leidenschaft schwappte auf die Genitalien über. Man gab sich mehr hinein. Das Hirn war stärker involviert, weil es mehr Input und mehr Reize bekam. Man befand sich in diesem Flow­Erlebnis, das man auch vom Arbeiten kennt, wenn man sich fragt, wo die Zeit bloss geblieben ist. Auf allen Ebenen und durch alle Kanäle kommen die Reize. Aber warum wurden sie mit der Zeit immer weniger? Auch aus ökonomischen Gründen: Mit der Zeit kennt sich das Paar, weiss, wie es geht und möchte mit möglichst geringem Aufwand zum Ziel kommen. Dann steht der Mann kurz vor dem Orgasmus, bevor die Frau überhaupt erste Reize wahrnimmt (die 10-15 Minuten). Rein mechanischer Sex lastet das System der Frau eben nicht genügend aus. Sie kommt nicht recht auf Touren.

 

Es würde immerhin bedeuten, dass sich die Unlust der Frau korrigieren lässt, wenn das Paar ein wenig dazulernt. Man kann viele Aussenfaktoren ändern, neue Dinge lernen. Das ist wichtig zu wissen. Wenn die Frau beim Liebesspiel extrem viel spürt in ihrer Scheide und weiss, dass es sich richtig lohnt, Sex zu haben, wird sie nie darauf verzichten wollen. Da kann der Mann ein Pascha sein, im Haushalt keinen Finger rühren und die Erziehung der Kinder komplett abdelegieren. Wenn sie durch den Sex gute Gefühle hat und Energie tanken kann, wird die Frau den Sex trotzdem einfordern. Und zwar selbst dann, wenn um sie herum das ganze Haus Kopf steht. Wenn der Sex hingegen unbefriedigend ist, lässt sich die Frau ablenken und bringt die äusseren Faktoren als Entschuldigung vor. Dass die Ursache eine ganz andere ist, ist ihr selber vielleicht gar nicht bewusst.

 

Wo anfangen? Bei der Technik! Denn bei der Selbstbefriedigung wissen die Frauen ganz genau, wie sie reiben müssen, damit sie zum Höhepunkt kommen. Doch diese Befriedigung ist sehr eindimensional. Sie zielt allein auf den klitoralen Orgasmus ab, der durchaus auch Entspannung bringt. Das grosse Problem ist aber, dass es für ein lustvolles Erlebnis zu zweit einfach mehr braucht. Damit die Frau den Orgasmus in seiner vollen Blüte erleben kann, müssen nämlich mehrere Regionen ihres Körpers und ihre Sinne ins Liebesspiel miteinbezogen werden. Die ganze Scheide von innen zum Beispiel, die Brüste, die Haut, die Ohren, der Hals. Doch ganz viele Frauen sind es sich von der Selbstbefriedigung gar nicht gewohnt, diese Teile an sich selber einzubinden. Besonders die empfindlichen Sensoren in der Scheide drin schlummern darum seit eh und je unberührt vor sich hin. Und dann kommt der Mann, dringt mit dem Penis in die Frau ein, und sie hat nichts davon, weil sie es nicht gewohnt ist, dort erregt zu werden. Auch wenn er sich noch so viel Mühe gibt, es passiert einfach nichts bei ihr. Ein frustrierendes Erlebnis.

Selbst wenn der Mann genau das macht, was die Frau von der Selbstbefriedigung her schon kennt, klappt es nicht immer mit der Erregung. Der Grund ist einleuchtend: Beim Streicheln der Klitoris bewegen die einen Frauen ihre Finger im Uhrzeigersinn, die anderen im Gegenuhrzeigersinn, mit mehr oder weniger Druck, aber eben an der richtigen Stelle. Wenn der Mann das bei ihr tut, ist es vielleicht die falsche Drehrichtung, zu viel Druck, zu stark reizend, zu raue Finger. Auch solch ein Erlebnis ist für die Frau frustrierend. Sie weiss im ersten Moment nicht, dass es an seiner Technik liegt. Sie weiss einfach, dass es so nicht funktioniert, versucht aber, mit aller Kraft irgendwie ein Lustempfinden her­ beizuführen. Anstatt sich gehen zu lassen, muss sie sich dann zu stark konzentrieren und anstrengen. Ob’s zur Erregung reicht, ist mehr als fraglich, ein Höhepunkt eher unwahrscheinlich. Auf solch einen Sex kann man keine Lust haben. Und das ist genau das, was bei den Frauen passiert.

 

Wenn man nichts verändern will, dann muss man nicht. Aber: man kann. Und: man soll auch dürfen. Drum hier mein 4-Punkte-Plan:

 

1. Biologie beachten: Das Paar muss die biologischen Unterschiede anerkennen. Die Frau braucht länger als ein Mann, um warm zu werden.

2. Mehrere Kanäle öffnen: Eine Frau ist besser erregbar, wenn mehrere Kanäle eingeschaltet sind. Die Frau kann diese Kanäle auch bei der Selbstbefriedigung zum Leben erwecken, damit er diese nachher im partnerschaftlichen Sex miteinbeziehen kann. Das ist lernbar und muss geübt werden.

3. Sich darauf einlassen: Der Hunger kann auch beim Essen kommen. Selbst wenn die Frau am Anfang noch keine Lust verspürt, kann sie darauf vertrauen, dass es mehr wird, und dass es einen Nutzen stiftet.

4. Etwas dafür tun: Es ist wie beim Sport und in der Musik: Je mehr man trainiert und übt, desto besser wird man, und desto lieber macht man es. Man muss investieren. Viele Menschen erwarten, dass im Sex andere Regeln gelten als sonst im Leben. Das ist falsch. Auch für den Sex gilt: ohne Fleiss kein Preis.

5. Und ja, natürlich muss man auch einfach reden :-)

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Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil I.

Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil I.

 

Naja. Lust auf Sex hätte die Mama vielleicht schon, doch hat sie keine Lust auf unbefriedigenden Sex. Viele Mamas haben aber nicht einmal wirklich Lust, und das macht das ganze schon mal schwierig. Woran das liegt? An vielem. Und bei einer Mama an noch mehr. Und um dieses „mehr“ geht es in diesem ersten Teil.

Gleich vorweg: Sex ist eine höchst ökonomische Angelegenheit – eine banale Frage von Aufwand und Ertrag also. Und der Aufwand an Zeit, Energie und Emotion für Sex ist für die Mama vielleicht einfach zu gross. Ihr Hirn rechnet gnadenlos ab und fragt sich, ob es sich für solch einen kleinen Ertrag wirklich lohnt. Die Flaute kommt nicht gleich nach dem ersten Frusterlebnis, sondern wenn es immer wieder passiert. Dann tut der Sex nach der Geburt vielleicht auch noch weh und die Brüste werden täglich mehrere Stunden zum Stillen zweckentfremdet. Auf jeden Fall ist es ihr nicht zu verübeln, wenn sie keine richtige Lust verspürt und stattdessen andere Dinge vorzieht, die einen höheren Nutzen haben: Schlafen. Früher war es der schmutzige Küchenboden, der wartende Roman oder der Kopfschmerz. Wäre der Ertrag höher, wäre das Resultat der Rechnung eine andere.

 

Nach einer Geburt kommt aber noch mehr dazu, denn die Situation ist insbesondere für die Mama eine andere – als Mama ist sie riesigen Anstrengungen im Alltag ausgesetzt. Emotional erlebt sie ganz viele neue Herausforderungen: ein neuer Mensch ist komplett von ihr abhängig, hängt auch körperlich viel an ihr. Schlaftechnisch ist sie gänzlich fremdgesteuert. Ausserdem kommen biologische Umstellungen dazu: während und nach der Schwangerschaft durchlebt eine Frau extreme Veränderungen des Körpers. Viele Körper fühlen sich nicht mehr gleich an wie vorher. Und die Mama muss eine wahnsinnige Leistung erbringen, um sich im neuen Körper wieder zu Hause zu fühlen. Oder noch schwieriger: um sich wieder als „ganze“ Frau, und um sich wieder sexy zu fühlen. Es dauert einfach eine Weile, bis man die Kilos wieder losgeworden ist, der Körper wieder so ist wie man ihn kannte, aber: man kann sich trotzdem sexy fühlen. Vielleicht wird man die Kilos auch nie mehr los, aber das ist nicht der eigentliche Punkt: Egal wie stumpfsinnig es tönt, aber die Hauptsache vom „sich sexy fühlen“ ist, dass man sich akzeptiert, sich mit seinen Formen, auch wenn sie neu sind, vertraut macht. Man sollte aber nicht mit den Augen schauen, die sind kritisch und vor allem ungnädig! „Sich sexy fühlen“ geht über den Hautkontakt – was man also unbedingt tun und nicht lassen sollte: sich oft streicheln und berühren, und: sich neue Kleider kaufen, in einer passenden Grösse – und nicht in die alten steigen, das frustriert nur.

Wichtig um sich nach einer Geburt wieder als Frau und ganzen Menschen zu fühlen ist auch, dass man wieder Sachen macht für sich selbst, dass man zu sich schaut, seinen Hobbies wieder nachgeht, dass man sich wieder schminkt, mit Freundinnen weggeht etc. Es ist schwierig sich selbst zu gefallen, wenn man den ganzen Tag um schreiende Kinder und stinkende Windeln herum ist. Gespräche mit erwachsenen Menschen, unterwegs sein, in einem schönem Kleid und hohen Schuhen hinterlässt einfach ein ganz anderes Körpergefühl.

Abgesehen davon: man weiss ja von den Männern, dass es sie sowieso so ziemlich wenig kümmert, wieviele Kilos an der Frau dran sind, wenn sie Sex haben. So befürchten Frauen „Wenn ich auf ihm sitze und hüpfe, hüpfen meine Brüste mit, SchwabbelSchwabbel oje!!“, während der Mann denkt „Wow, ich habe Brüste im Gesicht!!“. Er sieht nicht die Cellulits, sondern den schönen Hintern. Drum – nicht zu oft klagen, sonst gibt er dann plötzlich nach und klagt mit.

 

Und zum Schluss noch ein einfach umzusetzender, neurobiologischer Tipp: wenn man lächelt, und zwar mehr als 60 Sekunden, auch wenn einem nicht danach ist, wird im Hirn ein bestimmter Nerv getroffen, der einen sich besser fühlen lässt. Das coole daran ist, dass man dies aktiv steuern kann. Denn das Hirn kann nicht unterscheiden, was real und was fake ist
Die Unlust zu verstehen ist das eine – dass man dagegen etwas tun kann, wenn man möchte, das andere. Darum geht es nächstes Mal. Bis dahin - fake it ´til you make it :-)

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Uh, Fetisch!! – Aber was ist das eigentlich?

An sich ist ein Fetisch nichts anderes als die Gewöhnung an ein bestimmtes Objekt, die im Normalfall im Kindesalter entstanden ist. Zur Veranschaulichung am besten gleich ein Beispiel, wie alles begann: Er (ja er, nicht sie/er, denn es sind vor allem Er’s davon betroffen) wühlt in der Unterwäscheschublade seiner Mutter, tut etwas Verbotenes, und ist aufgeregt und somit erregt dabei. Das ist eigentlich noch nichts Komisches oder Schlimmes. Er macht es wieder, weil er neugierig ist, ob das (schöne) Gefühl wieder auftritt.. Und wieder, und wieder, und wieder. Und so gibt es Jungen resp. Männer, die dieses schöne Gefühl immer wieder auslösen mit diesem einen Objekt. Kreative Männer überlegen sich, ob ihnen dies auch mit anderen Gegenständen, zum Beispiel Schuhen, oder aber auch ohne Gegenstand gelingt. Die anderen aber fokussieren immer mehr auf dieses eine Objekt. Und es ist genau die Einschränkung auf dieses eine Objekt, das immer dabei ist, welche zum Problem wird – wenn auch nur präsent im Kopf des Mannes beim Sex, und vor allem bei der Selbstbefriedigung – aber im Normalfall ist es irgendwie präsent.

Häufig kommen Männer in die Praxis, die merken, dass ihnen diese Ausschliesslichkeit des Fetisch nicht mehr passt. Abgesehen davon, dass es ihnen peinlich ist, ein Fetisch sozial nicht akzeptiert ist – noch viel mehr als beim Porno, es schaut ja jeder Porno hihi – sind das „Problem“ oder die Ursache vor allem ihre Freundinnen. Viele Männer mit Fetisch sind vollkommen beziehungsfähig, das hat gar nichts damit zu tun. Aber irgendwann kommt der Wunsch einfach auch auf, das ganze mit der Freundin zu teilen. Vielleicht auch, weil es schwieriger geworden ist, eine Erektion zu bekommen. „Liebevolle“ Freundinnen versuchen am Anfang, den Fetisch irgendwie zu integrieren. Zum Beispiel in Form einer Zwischenlösung – beispielsweise Unterwäsche statt Latex. Prinzipiell ist das zwar eine gute Idee, aber eine Zwischenlösung erfüllt nicht den Zweck des Fetisch. Denn der Wunsch beim Mann wird bleiben, oder gar zunehmen. Früher oder später wird der Wunsch wieder in derselben Stärke aufkommen – weil Er ganz einfach nicht das bekommt, was Er braucht.

 

Nehmen wir als Beispiel Lackstiefel: Die Frau mag erst sagen, dass das ja gar nicht so schlimm sei. Die ersten sieben Mal ist das vielleicht sogar lustig und erregend. Aber irgendwann wird sie sagen, dass sie mal wieder ohne will, oder anders, aber es wird für ihn kaum mehr gehen, wenn die Lackstiefel nicht mehr dabei sind. Und dann beginnt sie es persönlich zu nehmen und zu denken, dass es beim Sex gar nicht mehr um sie als Frau, als Person, sondern um die Lackstiefel geht. Und das gibt dann schnell Feuer im Dach. Vor allem über die Jahre in einer Beziehung. Ist man am Anfang noch experimentierfreudiger, denkt man später: uff und jetzt soll ich für den Kerl auch noch diese Lackstiefel anziehen.. Spätestens dann! muss Mann etwas tun.

 

Es ist ein sehr belastendes Thema, für beide: sie kann ihm nicht geben was er will, und er weiss, dass er nicht fordern kann, was er will. Findet ein Paar keine gemeinsame Lösung, wird er früher oder später im Geheimen damit weitermachen. Deshalb ist es wichtig, dies gemeinsam anzugehen, sonst wird es über die Jahre nur komplizierter.

Aber was tun? Das ist gar nicht so einfach. Kann sie damit leben, dass sie einfach seine Wünsche nicht erfüllt? Oder dass es ein Teil ist von ihm, den er sich woanders erfüllt? Oder muss er auf die Erfüllung seiner Wünsche verzichten? In erster Linie muss das Paar seinen Beziehungsrahmen gemeinsam definieren, darüber verhandeln, wozu wer bereit ist. Dies ist nicht so einfach, denn einer von beiden wird nie ganz glücklich werden mit der gefundenen Lösung. Die andere Frage ist, ob sie lernen will und kann, den Fetisch ihres Partners erregend zu finden, was übrigens gar nicht die schlechteste Lösung ist. Wenn nicht, sollte er eine Therapie starten, um zu lernen, auch anderen Sex zu haben.

 

Zum Beispiel HIER, bei mir - online und anonym.

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Orgasmus-Kurs für Frauen

Orgasmus-Kurs für Frauen

 

Im September findet er wieder statt, der Orgasmus-Kurs für Frauen. Anknüpfend an meinen ersten Blog zum Thema Lustlosigkeit in der Beziehung möchte ich zwar keine Eigenwerbung machen, aber die Frauen, die Lust an mehr Lust haben, dennoch motivieren zu kommen.

Or-gas-mus-Kurs! Das tönt nach einer wilden Sache. Ist es auch, aber nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Am Kurs, der rund zehn Abende lang dauert, nehmen zehn bis zwölf Frauen teil, die lernen wollen, mehr Lust beim Sex zu haben. Frauen, die zum Beispiel merken, dass sie nur klitoral oder gar nicht zum Orgasmus zu kommen, und daran etwas ändern zu möchten. Denn dies ist einer der Gründe, weshalb Frauen nicht soviel vom Sex profitieren und diesen dann vielleicht auch nicht so wahnsinnig lässig finden.

 

Hauptfokus im Kurs ist, wie Frauen lernen können, mehr zu empfinden. In erster Linie in ihrer Scheide mehr zu verspüren. In unserer sehr intimen Runde können alle Frauen ihre ganz persönlichen Anliegen platzieren. Vor Ort machen wir viel Theorie, wir machen aber auch immer Übungen, immer angezogen, immer ohne Erregung. Bewegungs-, Atem- und Verständnisübungen, damit man seinen Körper besser kennenlernt. Der grösste Knackpunkt ist nämlich der: Frauen haben mit ihrer Scheide bis anhin wenig Kontakt gehabt, sondern vor allem ihre Klitoris trainiert, und dies mit hoher körperlicher Spannung. Frauen müssen – und können! – aber lernen, mit einer tieferen Spannung und mit viel Bewegung ihre Scheide miteinzubeziehen. Dafür braucht es aber Training. Das Werkzeug dafür vermitteln wir, die Übung zuhause macht dann den Meister.

 

Es tönt nach einem seriösen und ernsten Kurs – grundsätzlich ist es aber vor allem sehr unterhaltsam und spannend, und wir lachen viel miteinander. Frauen können sich über den Austausch motivieren, und sie merken, dass sie nicht allein sind. Auch geht es in der Gruppe durch die gegenseitige Unterstützung viel schneller vorwärts als in der Einzeltherapie. Und der Gewinn, den sie mit nach Hause nehmen, ist gross: sie haben viele neue Ideen und lernen, sich beim Sex mehr auf sich selber denn auf das Gegenüber konzentrieren. Indem sich beide Partner mehr auf sich selber konzentrieren, wird auch das Gegenüber vom „Leistungszwang“ befreit, und der Genuss kommt wieder an erster Stelle.

 

Lust auf mehr Lust? Hier kannst du dich anmelden:

Mit Genuss zum Orgasmus

- 2tägiges Seminar (http://www.sensuelle.ch/shop/soiree/seminar-mit-genuss-zum-orgasmus/)

- Dienstagsgruppe (http://www.zismed.ch/mit_genuss_zum_orgasmus.html) 

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Pornosüchtig! - ?

Pornoseiten mit vielen Bildern und Filmen gibt’s im Internet wie Sand am Meer. Und diese bewegten und unbewegten Bilder werden natürlich auch rege angeklickt und angeschaut – in vielen Fällen spricht man sogar von einer Pornosucht, die man entwickeln kann. Pornos zu kucken ist aber keine Sucht im eigentlichen Sinne, wie man beispielsweise eine Drogensucht versteht: Es gibt keinerlei aktive Veränderungen im Hirn, wie das sonst nachzuweisen ist bei anderen Drogen. Es ist allerdings durchaus so, dass jemand, der sich für die Selbstbefriedigung respektive die Selbsterregung angewöhnt, immer ein bewegtes Bild oder überhaupt ein Bild dabei zu haben, dadurch eine Gewohnheit entwickelt. Man bekommt womöglich den Eindruck, dass man ohne diese Bilder überhaupt nicht mehr erregt werden kann. Und genau das wird dann längerfristig zu einem Problem – und zwar dann, wenn man sich abhängig fühlt. Ein Mann, der sich gewohnt ist, innerhalb von Sekunden einen steifen Penis zu bekommen und so gut wie ohne mentale Anstrengung ejakulieren zu können, effizient, ökonomisch, männlich – dieser Mann merkt, dass es viel langsamer oder gar nicht geht, wenn diese Bilder nicht präsent sind. Und eine solche Abhängigkeit kann dann schon mal unangenehm werden – im Speziellen dann, wenn beim Sex die Aufregung nicht mehr reicht, die durch die Partnerin oder den Partner generiert wird. Und spätestens dann kommen die Leute auch in die Praxis mit der Feststellung, dass hier irgend etwas falsch läuft.. Diese Männer haben nicht etwa ein falsches Frauenbild oder würden in der Realität nicht schlecht mit Frauen umgehen.

Ein Mann hat sich bis zum Alter von 30 Jahren schon etwa 6000 Mal selber befriedigt. Er hat dafür ein Muster entwickelt, das extrem gut eingeübt ist – ohne sich allerdings auf seinen Körper zu fokussieren. Es beginnt schon mit seiner sex-fernen Position. Er sitzt auf dem Stuhl, rubbelt an sich herum. Seine Haltung ist unbeweglich, starr. Die sexuelle Aktivität findet kaum im Körper selbst statt, sondern nur im Film. Nur über seine Augen nimmt er die Stimulation auf und das Echo ist einzig und allein auf seinen Penis konzentriert. Ziemlich eingleisig und schmalspurig.

Aus dem Muster der schnellen Selbstbefriedigung heraus sind es die Männer nicht gewöhnt, das partnerschaftliche Liebesspiel in seinen verschiedenen Phasen aktiv zu steuern, zu variieren und die Luststeigerung etappenweise zu geniessen.

Gegensteuer kann man geben, indem man nicht auf den Verzicht fokussiert, sondern auf das Verhältnis. Das heisst, anfänglich ein 50 zu 50 Verhältnis, einmal mit, einmal ohne Porno, sondern sich nur mit der Fantasie befriedigen. Bis es dann bei einem Verhältnis von 80 zu 20 ist. Das Schwierige dabei ist insbesondere, dies aushalten zu können.

 

Pornokonsum im Internet ist an sich also kein Problem. Das Problem liegt in dessen Ausschliesslichkeit und am Mass – wie immer. Mein Tipp: Männer können lernen, den eigenen Körper wahrzunehmen und das, was sie machen, mit voller Aufmerksamkeit zu tun. Sie werden ein Bewusstsein für das entwickeln, was beim Sex in jeder Zelle ihres Körpers abläuft. Durch viel mehr Bewegung, viel mehr Positionen, viel mehr Wechsel von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und unterschiedlich starken Reizen. Es ist alles eine Frage der Übung. Und es lohnt sich.

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Auf immer und ewig?

Die Scheidungsquote liegt bei knapp 50%, Seitensprung und Dating-Apps boomen wie nie zuvor – man könnte fast meinen, dass es Menschen unter uns gibt, die beim Start einer Beziehung sagen, dass sie diese nun einfach mal eingehen, aber eigentlich darauf warten, bis etwas Besseres kommt, jemand der noch toller, intelligenter und schöner ist.. Fürwahr: es ist eine sehr verbreitete Einstellung in der heutigen Gesellschaft, dass man in einer sogenannten seriellen Monogamie leben möchte. Man ist zwar mit einem Partner zusammen, aber sobald sich die Beziehung ein wenig totgelaufen hat, in Tat und Wahrheit: sobald die ersten Schwierigkeiten auftauchen, geht man über zur nächsten Beziehung. Die meisten kennen das Modell „auf immer und ewig“ nicht mehr, dass man in guten wie in schlechten Zeiten zusammenbleibt und zusammenhält. Aber ist das etwas Schlechtes? Nicht unbedingt. Es ist halbschlecht. Denn es kommt immer und insbesondere darauf an, was man für eine Lebensführung haben möchte. Wenn man damit zufrieden ist, dass man alle paar Jahre wieder von null mit einer neuen Person startet, ist das total in Ordnung. Die Problematik ist, dass viele Leute dennoch ein romantisches Bild im Kopf haben und eigentlich auf ein „auf immer und ewig“ hoffen, respektive darüber auch traurig sind, dass es eben nicht mehr der oder die wahre, einzige gewesen ist und wieder ein Wechsel ansteht. Und solche Menschen verzweifeln auch daran.

Schwierig wird es auch, wenn es um das Thema Familie geht. Wenn man merkt, dass man es mit niemandem wirklich lange aushält und es so gut wie mit jedem Partner ein neues Kind gibt. Und diese Kinder muss man irgendwie organisieren, damit es für alle passt, und das kann für alle Parteien extrem aufwändig, kostspielig und hart werden.

Wie kann man diesen Kreis aber durchbrechen? Indem man sich klar wird darüber, dass der Mensch immer ein ganzes Paket ist, welches gute, aber auch schlechte Seiten mitbringt. Die vielen Facetten eines Menschen, wie auch die eigenen, lernt man erst kennen, wenn man über eine sehr lange Zeit zusammen ist und vieles gemeinsam erleben kann. Denn viele Gesichter zeigt man erst nach längerem Zusammensein. Auch Vertrauen zum Partner und unverfälschte Intimität wachsen erst über gemeinsam Erlebtes und Erfahrenes. Zudem muss man auch akzeptieren, dass gewisse Wünsche im Leben nun mal unerfüllt bleiben – es ist einfach eine Tatsache, dass mein Partner nicht alle meine Träume erfüllen kann. Und zu guter Letzt: man muss auch lernen, dass man an einer Partnerschaft wachsen kann, dass man eine Partnerschaft (mit-)entwickeln kann, und man sich gegenseitig durchaus auch in eine Veränderung reinbringen kann. Auch hier gilt also das Credo: "Übung macht den Meister".

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Lustlosigkeit in der Beziehung, oder wieviel Sex ist normal?

Je länger eine Beziehung dauert, desto weniger Sex hat man – das stimmt, und muss gleichzeitig doch nicht stimmen. In der Tat ist es aber so, dass ein Paar in den ersten sechs Jahren kontinuierlich weniger Sex hat. Intimität, Freundschaft, Liebe löst die erste Verliebtheit ab. Danach bleibt es für die nächsten 20-30 Jahre konstant auf dem gleichen Niveau – das tönt schon einmal nach sehr viel Frust.. Und wenn man den grössten Frust einmal überwunden hat, kann man sich sicher sein, dass es schlimmer nicht mehr wird. Das ist allerdings kein Trost, denn der Rückgang ist gewaltig: Kann man am Anfang die Finger fast nicht voneinander lassen, tut einem Kopf, Herz, Bauch und Seele weh, wenn man daran denkt, was sechs Jahre später noch davon übrig geblieben ist.

 

Am Anfang ist alles neu und aufregend, man profitiert vom Kennenlernen des anderen, zu lernen was der oder dem anderen gefällt und was nicht, und man einigt sich aber leider oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Man reduziert das ganze immer mehr und mehr, man riskiert irgendwann nicht mehr so viel Neues – man weiss ja irgendwann auch, was die eine oder der andere mag, man macht nur noch das kleine Programm, und das kleine Programm macht man nicht mal mehr mit wahnsinnig viel Enthusiasmus. Klassischerweise wird man also faul, strengt sich nicht mehr so an, es ist ja gemütlich, husch husch ein Quickie im Bett, hinüberrollen zum anderen, ein wenig grabschen und dann ist’s wieder vorbei. Es bedeutet irgendwann einfach nicht mehr so viel. Autsch.

 

Es kommt aber nur soweit, wenn ein Paar nichts unternimmt – und man kann tatsächlich dagegen steuern. Und zwar, indem man sich Mühe gibt. Man muss daran arbeiten. Das tönt zwar sehr unromantisch, aber es ist doch auch im restlichen Leben so: wenn man etwas Spannendes am Leben erhalten möchte, dann muss man investieren. Das heisst jetzt nicht, dass man pro Abend 20 Stellungen und das komplizierteste Kamasutra ausprobieren muss und so weiter, sondern man muss schauen, ob man es schafft, das Gegenüber immer noch durch eine erotische Brille anzuschauen, jede Berührung, die man macht, auch so zu meinen, gleichzeitig aber beim eigenen Körper zu bleiben und versuchen zu spüren, was man geniesst. Zum Beispiel, wie fest man die Erregung spürt, wie man mit dieser Erregung spielen kann. Und wenn man es so schafft, vom Sex zu profitieren, und nicht nur auf der Gefühlsebene, sondern auch auf der Erregungsebene extrem viel erlebt, dann möchte man auch weiterhin Sex haben und lässt ihn sich auch durch ein wenig Flaute nicht nehmen..

 

Es bräuchte also nur kleine Veränderungen in jedem Ablauf – indem man ein klein wenig mehr Intensität rein gibt, bleibt es per se spannender. Es braucht nicht riesige Veränderungen – denn diese macht man ein einziges Mal, danach wird es wieder zu mühsam. Lieber kleine Schritte unternehmen, minimale Veränderungen in die Abläufe einbauen, dafür aber stetig dran bleiben..

 

Und zum Abschluss ein kleiner, aber wertvoller Tipp: Liebe Paare, plant unbedingt wöchentliche Rendez-vous in euren Terminplan ein – denn jedes andere Ding im Leben plant ihr ja auch, das sollte also nicht sooo schwierig sein. Um einen kleinen Vergleich anzustellen: Leute, die keine Jahresplanung für ihre Ferien machen, gehen letzten Endes nicht in die Ferien, oder nur sehr selten, die anderen aber haben wunderbar Zeit für die eingeplanten Ferien und der ganze Rest hat auch noch Platz.

Kommt hinzu, dass man in den Ferien wesentlich entspannter ist, und je entspannter, desto mehr Zeit hat man, und desto mehr Lust hat man auch auf Sex. Da man aber nicht das ganze Jahr in die Ferien kann, sondern ja auch im hektischen Alltag Sex haben will, kommt man schlecht um einen Terminplan herum.

 

Ein kleines Fazit: Man muss sich Zeit nehmen. Dran bleiben, die Bereitschaft haben, Nähe entstehen zu lassen. Die Romantik für den Moment beiseite legen zugunsten der Zeit, die man einplant und miteinander verbringt.

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