Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil II.

 

Im ersten Teil vor zwei Wochen ging es darum, dass die müde Mama keine Lust hat und woran das liegen kann – weil sie müde ist, sich oftmals nicht sehr sexy fühlt, ökonomisch abrechnet und daher den Schlaf dem Beischlaf vorzieht. Die Mama kann aber dagegensteuern, wenn sie dies möchte – und darum geht es in diesem zweiten Teil.

Vorab aber noch ein weiterer, unbedingt zu berücksichtigender Aspekt dazu: Biologisch gesehen brauchen Frauen 10 bis 15 Minuten, um ihr Geschlecht überhaupt einmal aufzuwärmen. Ein Mann ist tendenziell innerhalb von einer Minute aufgeheizt. Nur schon daran scheitert es oft. Der Mann kommt aufgeladen zu ihr und wundert sich, dass sie eher abweisend reagiert. Er hat das Gefühl, dass sie zu wenig Interesse hat, während sie aber umgehend bemerkt, dass er schon erregt, sie selber aber überhaupt noch nicht parat ist. Das heisst: sich Zeit nehmen, resp. dem Gegenüber Zeit geben. Nicht grad alles in den Wind schiessen, sondern mal anfangen und schauen, ob der Hunger beim Essen kommt.

 

Stellt sich also mal die Frage, warum es am Anfang der Beziehung funktioniert hat. Am Anfang helfen die Hormone – die kurbeln massiv an und geben viel Echo in die Scheide. Generell kann man aber feststellen, dass sich die Paare zu Beginn fünfmal mehr bewegen als später. Die Lust am Erforschen des anderen Körpers rief nach Bewegung. Man ertastete sich, machte mehr Stellungswechsel. Die emotionale Leidenschaft schwappte auf die Genitalien über. Man gab sich mehr hinein. Das Hirn war stärker involviert, weil es mehr Input und mehr Reize bekam. Man befand sich in diesem Flow­Erlebnis, das man auch vom Arbeiten kennt, wenn man sich fragt, wo die Zeit bloss geblieben ist. Auf allen Ebenen und durch alle Kanäle kommen die Reize. Aber warum wurden sie mit der Zeit immer weniger? Auch aus ökonomischen Gründen: Mit der Zeit kennt sich das Paar, weiss, wie es geht und möchte mit möglichst geringem Aufwand zum Ziel kommen. Dann steht der Mann kurz vor dem Orgasmus, bevor die Frau überhaupt erste Reize wahrnimmt (die 10-15 Minuten). Rein mechanischer Sex lastet das System der Frau eben nicht genügend aus. Sie kommt nicht recht auf Touren.

 

Es würde immerhin bedeuten, dass sich die Unlust der Frau korrigieren lässt, wenn das Paar ein wenig dazulernt. Man kann viele Aussenfaktoren ändern, neue Dinge lernen. Das ist wichtig zu wissen. Wenn die Frau beim Liebesspiel extrem viel spürt in ihrer Scheide und weiss, dass es sich richtig lohnt, Sex zu haben, wird sie nie darauf verzichten wollen. Da kann der Mann ein Pascha sein, im Haushalt keinen Finger rühren und die Erziehung der Kinder komplett abdelegieren. Wenn sie durch den Sex gute Gefühle hat und Energie tanken kann, wird die Frau den Sex trotzdem einfordern. Und zwar selbst dann, wenn um sie herum das ganze Haus Kopf steht. Wenn der Sex hingegen unbefriedigend ist, lässt sich die Frau ablenken und bringt die äusseren Faktoren als Entschuldigung vor. Dass die Ursache eine ganz andere ist, ist ihr selber vielleicht gar nicht bewusst.

 

Wo anfangen? Bei der Technik! Denn bei der Selbstbefriedigung wissen die Frauen ganz genau, wie sie reiben müssen, damit sie zum Höhepunkt kommen. Doch diese Befriedigung ist sehr eindimensional. Sie zielt allein auf den klitoralen Orgasmus ab, der durchaus auch Entspannung bringt. Das grosse Problem ist aber, dass es für ein lustvolles Erlebnis zu zweit einfach mehr braucht. Damit die Frau den Orgasmus in seiner vollen Blüte erleben kann, müssen nämlich mehrere Regionen ihres Körpers und ihre Sinne ins Liebesspiel miteinbezogen werden. Die ganze Scheide von innen zum Beispiel, die Brüste, die Haut, die Ohren, der Hals. Doch ganz viele Frauen sind es sich von der Selbstbefriedigung gar nicht gewohnt, diese Teile an sich selber einzubinden. Besonders die empfindlichen Sensoren in der Scheide drin schlummern darum seit eh und je unberührt vor sich hin. Und dann kommt der Mann, dringt mit dem Penis in die Frau ein, und sie hat nichts davon, weil sie es nicht gewohnt ist, dort erregt zu werden. Auch wenn er sich noch so viel Mühe gibt, es passiert einfach nichts bei ihr. Ein frustrierendes Erlebnis.

Selbst wenn der Mann genau das macht, was die Frau von der Selbstbefriedigung her schon kennt, klappt es nicht immer mit der Erregung. Der Grund ist einleuchtend: Beim Streicheln der Klitoris bewegen die einen Frauen ihre Finger im Uhrzeigersinn, die anderen im Gegenuhrzeigersinn, mit mehr oder weniger Druck, aber eben an der richtigen Stelle. Wenn der Mann das bei ihr tut, ist es vielleicht die falsche Drehrichtung, zu viel Druck, zu stark reizend, zu raue Finger. Auch solch ein Erlebnis ist für die Frau frustrierend. Sie weiss im ersten Moment nicht, dass es an seiner Technik liegt. Sie weiss einfach, dass es so nicht funktioniert, versucht aber, mit aller Kraft irgendwie ein Lustempfinden her­ beizuführen. Anstatt sich gehen zu lassen, muss sie sich dann zu stark konzentrieren und anstrengen. Ob’s zur Erregung reicht, ist mehr als fraglich, ein Höhepunkt eher unwahrscheinlich. Auf solch einen Sex kann man keine Lust haben. Und das ist genau das, was bei den Frauen passiert.

 

Wenn man nichts verändern will, dann muss man nicht. Aber: man kann. Und: man soll auch dürfen. Drum hier mein 4-Punkte-Plan:

 

1. Biologie beachten: Das Paar muss die biologischen Unterschiede anerkennen. Die Frau braucht länger als ein Mann, um warm zu werden.

2. Mehrere Kanäle öffnen: Eine Frau ist besser erregbar, wenn mehrere Kanäle eingeschaltet sind. Die Frau kann diese Kanäle auch bei der Selbstbefriedigung zum Leben erwecken, damit er diese nachher im partnerschaftlichen Sex miteinbeziehen kann. Das ist lernbar und muss geübt werden.

3. Sich darauf einlassen: Der Hunger kann auch beim Essen kommen. Selbst wenn die Frau am Anfang noch keine Lust verspürt, kann sie darauf vertrauen, dass es mehr wird, und dass es einen Nutzen stiftet.

4. Etwas dafür tun: Es ist wie beim Sport und in der Musik: Je mehr man trainiert und übt, desto besser wird man, und desto lieber macht man es. Man muss investieren. Viele Menschen erwarten, dass im Sex andere Regeln gelten als sonst im Leben. Das ist falsch. Auch für den Sex gilt: ohne Fleiss kein Preis.

5. Und ja, natürlich muss man auch einfach reden :-)

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