Pornoseiten mit vielen Bildern und Filmen gibt’s im Internet wie Sand am Meer. Und diese bewegten und unbewegten Bilder werden natürlich auch rege angeklickt und angeschaut – in vielen Fällen spricht man sogar von einer Pornosucht, die man entwickeln kann. Pornos zu kucken ist aber keine Sucht im eigentlichen Sinne, wie man beispielsweise eine Drogensucht versteht: Es gibt keinerlei aktive Veränderungen im Hirn, wie das sonst nachzuweisen ist bei anderen Drogen. Es ist allerdings durchaus so, dass jemand, der sich für die Selbstbefriedigung respektive die Selbsterregung angewöhnt, immer ein bewegtes Bild oder überhaupt ein Bild dabei zu haben, dadurch eine Gewohnheit entwickelt. Man bekommt womöglich den Eindruck, dass man ohne diese Bilder überhaupt nicht mehr erregt werden kann. Und genau das wird dann längerfristig zu einem Problem – und zwar dann, wenn man sich abhängig fühlt. Ein Mann, der sich gewohnt ist, innerhalb von Sekunden einen steifen Penis zu bekommen und so gut wie ohne mentale Anstrengung ejakulieren zu können, effizient, ökonomisch, männlich – dieser Mann merkt, dass es viel langsamer oder gar nicht geht, wenn diese Bilder nicht präsent sind. Und eine solche Abhängigkeit kann dann schon mal unangenehm werden – im Speziellen dann, wenn beim Sex die Aufregung nicht mehr reicht, die durch die Partnerin oder den Partner generiert wird. Und spätestens dann kommen die Leute auch in die Praxis mit der Feststellung, dass hier irgend etwas falsch läuft.. Diese Männer haben nicht etwa ein falsches Frauenbild oder würden in der Realität nicht schlecht mit Frauen umgehen.

Ein Mann hat sich bis zum Alter von 30 Jahren schon etwa 6000 Mal selber befriedigt. Er hat dafür ein Muster entwickelt, das extrem gut eingeübt ist – ohne sich allerdings auf seinen Körper zu fokussieren. Es beginnt schon mit seiner sex-fernen Position. Er sitzt auf dem Stuhl, rubbelt an sich herum. Seine Haltung ist unbeweglich, starr. Die sexuelle Aktivität findet kaum im Körper selbst statt, sondern nur im Film. Nur über seine Augen nimmt er die Stimulation auf und das Echo ist einzig und allein auf seinen Penis konzentriert. Ziemlich eingleisig und schmalspurig.

Aus dem Muster der schnellen Selbstbefriedigung heraus sind es die Männer nicht gewöhnt, das partnerschaftliche Liebesspiel in seinen verschiedenen Phasen aktiv zu steuern, zu variieren und die Luststeigerung etappenweise zu geniessen.

Gegensteuer kann man geben, indem man nicht auf den Verzicht fokussiert, sondern auf das Verhältnis. Das heisst, anfänglich ein 50 zu 50 Verhältnis, einmal mit, einmal ohne Porno, sondern sich nur mit der Fantasie befriedigen. Bis es dann bei einem Verhältnis von 80 zu 20 ist. Das Schwierige dabei ist insbesondere, dies aushalten zu können.

 

Pornokonsum im Internet ist an sich also kein Problem. Das Problem liegt in dessen Ausschliesslichkeit und am Mass – wie immer. Mein Tipp: Männer können lernen, den eigenen Körper wahrzunehmen und das, was sie machen, mit voller Aufmerksamkeit zu tun. Sie werden ein Bewusstsein für das entwickeln, was beim Sex in jeder Zelle ihres Körpers abläuft. Durch viel mehr Bewegung, viel mehr Positionen, viel mehr Wechsel von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und unterschiedlich starken Reizen. Es ist alles eine Frage der Übung. Und es lohnt sich.

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