An sich ist ein Fetisch nichts anderes als die Gewöhnung an ein bestimmtes Objekt, die im Normalfall im Kindesalter entstanden ist. Zur Veranschaulichung am besten gleich ein Beispiel, wie alles begann: Er (ja er, nicht sie/er, denn es sind vor allem Er’s davon betroffen) wühlt in der Unterwäscheschublade seiner Mutter, tut etwas Verbotenes, und ist aufgeregt und somit erregt dabei. Das ist eigentlich noch nichts Komisches oder Schlimmes. Er macht es wieder, weil er neugierig ist, ob das (schöne) Gefühl wieder auftritt.. Und wieder, und wieder, und wieder. Und so gibt es Jungen resp. Männer, die dieses schöne Gefühl immer wieder auslösen mit diesem einen Objekt. Kreative Männer überlegen sich, ob ihnen dies auch mit anderen Gegenständen, zum Beispiel Schuhen, oder aber auch ohne Gegenstand gelingt. Die anderen aber fokussieren immer mehr auf dieses eine Objekt. Und es ist genau die Einschränkung auf dieses eine Objekt, das immer dabei ist, welche zum Problem wird – wenn auch nur präsent im Kopf des Mannes beim Sex, und vor allem bei der Selbstbefriedigung – aber im Normalfall ist es irgendwie präsent.

Häufig kommen Männer in die Praxis, die merken, dass ihnen diese Ausschliesslichkeit des Fetisch nicht mehr passt. Abgesehen davon, dass es ihnen peinlich ist, ein Fetisch sozial nicht akzeptiert ist – noch viel mehr als beim Porno, es schaut ja jeder Porno hihi – sind das „Problem“ oder die Ursache vor allem ihre Freundinnen. Viele Männer mit Fetisch sind vollkommen beziehungsfähig, das hat gar nichts damit zu tun. Aber irgendwann kommt der Wunsch einfach auch auf, das ganze mit der Freundin zu teilen. Vielleicht auch, weil es schwieriger geworden ist, eine Erektion zu bekommen. „Liebevolle“ Freundinnen versuchen am Anfang, den Fetisch irgendwie zu integrieren. Zum Beispiel in Form einer Zwischenlösung – beispielsweise Unterwäsche statt Latex. Prinzipiell ist das zwar eine gute Idee, aber eine Zwischenlösung erfüllt nicht den Zweck des Fetisch. Denn der Wunsch beim Mann wird bleiben, oder gar zunehmen. Früher oder später wird der Wunsch wieder in derselben Stärke aufkommen – weil Er ganz einfach nicht das bekommt, was Er braucht.

 

Nehmen wir als Beispiel Lackstiefel: Die Frau mag erst sagen, dass das ja gar nicht so schlimm sei. Die ersten sieben Mal ist das vielleicht sogar lustig und erregend. Aber irgendwann wird sie sagen, dass sie mal wieder ohne will, oder anders, aber es wird für ihn kaum mehr gehen, wenn die Lackstiefel nicht mehr dabei sind. Und dann beginnt sie es persönlich zu nehmen und zu denken, dass es beim Sex gar nicht mehr um sie als Frau, als Person, sondern um die Lackstiefel geht. Und das gibt dann schnell Feuer im Dach. Vor allem über die Jahre in einer Beziehung. Ist man am Anfang noch experimentierfreudiger, denkt man später: uff und jetzt soll ich für den Kerl auch noch diese Lackstiefel anziehen.. Spätestens dann! muss Mann etwas tun.

 

Es ist ein sehr belastendes Thema, für beide: sie kann ihm nicht geben was er will, und er weiss, dass er nicht fordern kann, was er will. Findet ein Paar keine gemeinsame Lösung, wird er früher oder später im Geheimen damit weitermachen. Deshalb ist es wichtig, dies gemeinsam anzugehen, sonst wird es über die Jahre nur komplizierter.

Aber was tun? Das ist gar nicht so einfach. Kann sie damit leben, dass sie einfach seine Wünsche nicht erfüllt? Oder dass es ein Teil ist von ihm, den er sich woanders erfüllt? Oder muss er auf die Erfüllung seiner Wünsche verzichten? In erster Linie muss das Paar seinen Beziehungsrahmen gemeinsam definieren, darüber verhandeln, wozu wer bereit ist. Dies ist nicht so einfach, denn einer von beiden wird nie ganz glücklich werden mit der gefundenen Lösung. Die andere Frage ist, ob sie lernen will und kann, den Fetisch ihres Partners erregend zu finden, was übrigens gar nicht die schlechteste Lösung ist. Wenn nicht, sollte er eine Therapie starten, um zu lernen, auch anderen Sex zu haben.

 

Zum Beispiel HIER, bei mir - online und anonym.

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