Die müde Mama ... hat keinen Lust auf Sex. Echt? Teil I.

 

Naja. Lust auf Sex hätte die Mama vielleicht schon, doch hat sie keine Lust auf unbefriedigenden Sex. Viele Mamas haben aber nicht einmal wirklich Lust, und das macht das ganze schon mal schwierig. Woran das liegt? An vielem. Und bei einer Mama an noch mehr. Und um dieses „mehr“ geht es in diesem ersten Teil.

Gleich vorweg: Sex ist eine höchst ökonomische Angelegenheit – eine banale Frage von Aufwand und Ertrag also. Und der Aufwand an Zeit, Energie und Emotion für Sex ist für die Mama vielleicht einfach zu gross. Ihr Hirn rechnet gnadenlos ab und fragt sich, ob es sich für solch einen kleinen Ertrag wirklich lohnt. Die Flaute kommt nicht gleich nach dem ersten Frusterlebnis, sondern wenn es immer wieder passiert. Dann tut der Sex nach der Geburt vielleicht auch noch weh und die Brüste werden täglich mehrere Stunden zum Stillen zweckentfremdet. Auf jeden Fall ist es ihr nicht zu verübeln, wenn sie keine richtige Lust verspürt und stattdessen andere Dinge vorzieht, die einen höheren Nutzen haben: Schlafen. Früher war es der schmutzige Küchenboden, der wartende Roman oder der Kopfschmerz. Wäre der Ertrag höher, wäre das Resultat der Rechnung eine andere.

 

Nach einer Geburt kommt aber noch mehr dazu, denn die Situation ist insbesondere für die Mama eine andere – als Mama ist sie riesigen Anstrengungen im Alltag ausgesetzt. Emotional erlebt sie ganz viele neue Herausforderungen: ein neuer Mensch ist komplett von ihr abhängig, hängt auch körperlich viel an ihr. Schlaftechnisch ist sie gänzlich fremdgesteuert. Ausserdem kommen biologische Umstellungen dazu: während und nach der Schwangerschaft durchlebt eine Frau extreme Veränderungen des Körpers. Viele Körper fühlen sich nicht mehr gleich an wie vorher. Und die Mama muss eine wahnsinnige Leistung erbringen, um sich im neuen Körper wieder zu Hause zu fühlen. Oder noch schwieriger: um sich wieder als „ganze“ Frau, und um sich wieder sexy zu fühlen. Es dauert einfach eine Weile, bis man die Kilos wieder losgeworden ist, der Körper wieder so ist wie man ihn kannte, aber: man kann sich trotzdem sexy fühlen. Vielleicht wird man die Kilos auch nie mehr los, aber das ist nicht der eigentliche Punkt: Egal wie stumpfsinnig es tönt, aber die Hauptsache vom „sich sexy fühlen“ ist, dass man sich akzeptiert, sich mit seinen Formen, auch wenn sie neu sind, vertraut macht. Man sollte aber nicht mit den Augen schauen, die sind kritisch und vor allem ungnädig! „Sich sexy fühlen“ geht über den Hautkontakt – was man also unbedingt tun und nicht lassen sollte: sich oft streicheln und berühren, und: sich neue Kleider kaufen, in einer passenden Grösse – und nicht in die alten steigen, das frustriert nur.

Wichtig um sich nach einer Geburt wieder als Frau und ganzen Menschen zu fühlen ist auch, dass man wieder Sachen macht für sich selbst, dass man zu sich schaut, seinen Hobbies wieder nachgeht, dass man sich wieder schminkt, mit Freundinnen weggeht etc. Es ist schwierig sich selbst zu gefallen, wenn man den ganzen Tag um schreiende Kinder und stinkende Windeln herum ist. Gespräche mit erwachsenen Menschen, unterwegs sein, in einem schönem Kleid und hohen Schuhen hinterlässt einfach ein ganz anderes Körpergefühl.

Abgesehen davon: man weiss ja von den Männern, dass es sie sowieso so ziemlich wenig kümmert, wieviele Kilos an der Frau dran sind, wenn sie Sex haben. So befürchten Frauen „Wenn ich auf ihm sitze und hüpfe, hüpfen meine Brüste mit, SchwabbelSchwabbel oje!!“, während der Mann denkt „Wow, ich habe Brüste im Gesicht!!“. Er sieht nicht die Cellulits, sondern den schönen Hintern. Drum – nicht zu oft klagen, sonst gibt er dann plötzlich nach und klagt mit.

 

Und zum Schluss noch ein einfach umzusetzender, neurobiologischer Tipp: wenn man lächelt, und zwar mehr als 60 Sekunden, auch wenn einem nicht danach ist, wird im Hirn ein bestimmter Nerv getroffen, der einen sich besser fühlen lässt. Das coole daran ist, dass man dies aktiv steuern kann. Denn das Hirn kann nicht unterscheiden, was real und was fake ist
Die Unlust zu verstehen ist das eine – dass man dagegen etwas tun kann, wenn man möchte, das andere. Darum geht es nächstes Mal. Bis dahin - fake it ´til you make it :-)

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