Er kann in den besten Beziehungen vorkommen, der „Alles-läuft-suuuper-aber-im-Moment-haben-wir-nicht-so-Lust-auf-Sex“-Zustand. Es gibt Zeiten in der Beziehung, wo das Bett lediglich dem Schlaf vorbehalten ist und der Beischlaf auch nicht woanders, sondern schlicht gar nicht stattfindet. Das wird dann zuhause zwar selten thematisiert, aber da dies verglichen mit den Schweizer Bett-Studien und Beischlaf-Statistiken als total abnormal wahrgenommen wird, begleitet das Thema dann doch niederschwellig durch den Alltag.

Ist sie denn ein Problem, diese intime Ruhe? – Ja und Nein, denn: es kommt sehr darauf an, wie häufig dieser Zustand vorkommt. Hat man einmal keine Lust, ist das gar kein Problem. Aber wenn man in eine Phase kommt, in welcher die Lustlosigkeit vorherrschend bleibt, wird sie irgendwann (bald) zum Normalzustand. Und einem Normalzustand zu entkommen, ist wesentlich schwieriger.

Es gibt natürlich eine gewisse Latenzzeit, in welcher man diesen Zustand akzeptieren kann und auch sollte. Denn in einer Beziehung müsste es auch drin liegen, dass es nicht immer in demselben Rhythmus läuft mit dem Sex – so wie auch anderes nicht immer denselben Charakter hat. Aber sobald man merkt, dass es normal geworden ist, keinen Sex mehr miteinander zu haben, dann sollte man sich an der Nase nehmen und beginnen, daran zu arbeiten, und zwar so: Indem man auch mal Sex hat, wenn einem nicht so wahnsinnig danach ist. Mindestens um der Sache Vorschub zu leisten, dass der Hunger ja beim Essen kommen könnte. Ein Vergleich: Manchmal passiert es mir, dass ich überhaupt keine Lust habe gewisse Leute zu sehen, mit welchen ich mich verabredet habe, mich dann aber aufrapple und sie treffe. Und wenn ich ihnen dann gegenüber sitze, mache ich wunderbare Erfahrungen und habe einen super Abend. Und diesen hätte ich ja nicht gehabt, wenn ich mich dazu entschieden hätte, dass, „ach! ich bleibe lieber zuhause und schaue Netflix..“

 

Es liegt also ein Quäntchen Wahrheit im Spruch „Die Lust kommt beim Essen“. Wie ich mich dabei verhalte, liegt aber bei mir. Ich kann natürlich mit einem sauren Stein und nach unten gezogenen Mundwinkeln anfangen zu essen – dann kommt der Hunger gewiss nicht. Wenn aber meine Mundwinkel nach oben zeigen und ich probiere, alles Schöne aus dem Essen herauszuschmecken, die verschiedenen Gerüche versuche wahrzunehmen, das Essen versuche zu geniessen, dann ist die Chance relativ gross, dass das Essen auch schmeckt (unter der Bedingung natürlich, dass gut gekocht wurde.. :-)). Sprich: man kann sich entweder auf den Sex einlassen, total versteift, die Beine zusammenklemmend und sagend, dass das ja eh doof ist und ich eigentlich ja sowieso nicht will – dann kommt die Lust selbstverständlich nicht –, oder aber man versucht für zehn Minuten Vollgas zu geben und sich von Kopf bis Fuss darauf einzulassen – dann ist die Chance relativ hoch, dass es auch Spass machen wird.

Und wer es dabei schafft, auch für sich selber mehr aus dem Sex zu holen, mehr davon zu profitieren und diesen nicht nur als Gefallen für den Partner anzuschauen, ja der kommt dann irgendwann selbst wieder auf die Idee, Sex haben zu wollen. Um zu diesem Punkt zu kommen, braucht’s aber eine gewisse Regelmässigkeit. Ansonsten bleibt es ein inneres Verhandeln, und die Schwelle, sich auf etwas einzulassen, wird stetig höher. Für all jene, die behaupten, keine Zeit für solche Experimente zu haben, zu guter Letzt wieder mal mein Lieblingstipp: Agenda zücken, Date abmachen. Viel Spass! :-)

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