Man sagt den Männern ja gerne nach, dass sie ein wenig therapieresistent seien, wenn es zum Beispiel um eine Paartherapie geht. Vermutlich erwartet man nun von mir, dass ich dies für totalen Blödsinn erkläre. Man möge mir verzeihen: dieser Vorwurf an die Adresse der Männer ist halbwegs richtig. Männer sind sich nämlich nicht so sehr gewohnt, solchen Therapien von sich aus Vorschusslorbeeren zu geben. Sie sind eher selber die Macher – oder meinen dies zumindest, indem sie sagen und nicht machen – und haben daher auch ganz lange das Gefühl, dass sie alles im Griff haben. Daher muss es in ihren auch eine Lösung geben für jedes Problem. Abgesehen davon halten sie es für peinlich, wenn man sich an andere Leute wenden muss, um Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Nicht umsonst dauert es bei den Männern durchschnittlich sechs Jahre, bis sie zu einem Arzt gehen, auch wenn sie die ganze Zeit unter Schmerzen leiden.

 

Wenn es nun in einer Partnerschaft kriselt und das Thema Paartherapie aufs Trapez gebracht wird, sie gerne eine Therapie in Angriff nehmen möchte und er sich dagegen sträubt, sollte man diesen Schritt aber unbedingt trotzdem gehen. In erster Linie geht es darum, diesen Schritt, das Ganze anzuschauen, zu wagen, und dies lohnt sich jederzeit. Denn es ist immer gut, wenn eine dritte, aussenstehende Person dabei ist und man selbst bereit ist, den Ansichten und der Meinung dieser Person ein Stück weit zuzuhören. Man wird Sachen zu hören bekommen, welche man von der Partnerin oder dem Partner nur sehr schlecht oder gar nicht annehmen kann. Manchmal wirkt es auf Frauen sehr beunruhigend, wenn sie sich anhören resp. gespiegelt bekommen, was sie selbst nicht so toll machen. Und so kommt es auch vor, dass Männer sogar beginnen ihre Frauen zu verteidigen. Ganz lustige Muster tauchen da auf...

Wenn man in einer solchen Therapie als Mann merkt, dass diese dritte Person nicht einfach zwangsläufig auf der Seite der Frau steht und ihm dauernd vorwirft, was er alles schlecht mache – denn es ist das, was viele Männer befürchten – sondern dass diese Person durchaus kritisch hinschaut; ja so kann dies eine sehr gute Erfahrung sein – wider aller Erwartungen.

 

In meiner Praxis habe ich viele Paare, die eine Therapie starten, und zwar aufgrund unterschiedlichster Probleme. Doch in praktisch allen Fällen beobachte ich, dass die Männer total skeptisch an die Sache herangehen und sich aber nach wenigen Sitzungen eingestehen müssen, dass dies doch eine ganz gute Sache ist – meistens sind es nämlich die Frauen, welche die Therapie anmelden möchten. Viele merken in der Tat sehr schnell, dass man in diesem Setting viel ruhiger reden kann, dass Themen auf den Tisch kommen, welche auch sie betreffen und bei welchen sie sich bis anhin nicht gehört gefühlt haben. So gestehen dann doch die meisten ein, dass sich die Therapie durchaus sehr lohnt.

Es gibt natürlich auch Männer, welche eine Paartherapie in Angriff nehmen möchten. Ein wenig grob ausgedrückt kann man aber sagen, dass in Fällen, in welchen sich der Mann meldet und die Frau eher nicht motiviert ist mitzukommen, die Beziehung meistens gelaufen ist. Das ist zwar hart, aber dennoch eine Beobachtung: Frauen kämpfen extrem lange für ihre Beziehung und sind auch ganz lange bereit, sehr vieles zu tun. Aber wenn die Sache für sie quasi gegessen ist und sie die Therapie nur aus reinem Goodwill mitmacht – dann hat sie sich innerlich meistens schon aus der Beziehung verabschiedet.

 

Drum, liebe Männer: scheut euch nicht, diesen Schritt zu wagen, bevor Hopfen und Malz verloren sind. Aber: nicht jeder Therapeut passt zu jedem Patienten. Jeder soll sich die Freiheit nehmen, mehrere Therapeuten auszuprobieren. Nicht sofort aufgeben, wenn der erste nicht passt. Hier geht’s schon mal zu meinem Kontakt :-) 

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