PARTNERSCHAFTSKONFLIKTE

 

Wenn ich in einer Paartherapie anfange, mit den Menschen zu reden, dann könnten von Anfang an Stunden damit verbringen zu erzählen, genau zu wissen, was die Lösung wäre, damit sie es gut zusammen hätten. «Wenn er doch nur, dann würde ich..». Ganz viele Menschen konzentrieren sich also darauf, was der oder die andere ändern müsste, damit man es Paar gut hätte, damit man sich gern hätte, damit alles besser funktionieren würde und so weiter. Doch ist es wirklich so?

Zäumen wir doch das Pferd mal von hinten auf. Es geht nämlich um hauptsächlich zwei Dinge: Erstens sollte man sich vorweg selber fragen, ob man wirklich der Partner ist, den man sein möchte und mit welchem man auch zusammen sein wollte. Lautet die Antwort «Nein», dann sollte eine Liste von Veränderungen folgen, die man selber vornimmt – und zwar wirklich. Im Normalfall kommt allerdings die Antwort «Nein, aber weil sie/er…». Und schon sind wir wieder beim anderen. 

Zweitens sollte man sich ernsthaft fragen, ob man wirklich noch mit seinem Partner zusammen sein möchte. Und das ist die viel schwierigere Frage. Denn so einige haben in ihrem Inneren eine Stimme, die “nein” sagt. “Nein, ich will nicht mehr…”, und spätestens dann sollte man sich ernsthaft hinsetzen und über eine Trennung nachdenken. 

Und so führt die ewige Kritik am anderen, dem Wunsch und Streben danach, dass der andere sich hätte und zu dem wird, wie man ihn gerne möchte, dazu, dass man sich nicht mit der eigentlichen Frage auseinandersetzt, was man wirklich will. 

Damit eine Beziehung Erfolg haben kann, braucht es also zwei wesentliche Voraussetzungen. Erstens und hauptsächlich aber die Arbeit von einem selber, und eine echte Reflektion über die Frage, ob man der beste Partner ist, den man sein kann. Ohne Nebensätze und Klammern, ohne Ausreden, weil man schlecht geschlafen hat oder Entschuldigungen wegen der doch schlimmen Vergangenheit und so weiter. Nicht, dass das alles keine Rolle spielt, nein, im Gegenteil: Es lohnt sich immer, diese Themen anzugehen.