Gleich = gleich

Das Thema Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist in den letzten Wochen dank Ereignissen wie dem Frauenstreik omnipräsent. Eine passende Gelegenheit für mich, um die Gleichberechtigung in Partnerschaften unter die Lupe zu nehmen.

Unter Gleichberechtigung in einer Beziehung verstehe ich, dass beide Partner die genau gleichen Freiheiten und Rechte haben, um zu entscheiden, ob sie eine Aufgabe, eine Arbeit erledigen möchten oder nicht. Ich verstehe darunter nicht, dass jede Aufgabe zu gleichen Teilen erledigt werden muss, oder dass für jede Stunde, die der Partner aufwendet, die Partnerin die gleiche Zeit investieren muss.  

Gleichberechtigung heisst für mich, dass es beispielsweise im Haushalt genauso wahrscheinlich ist, dass er kocht, oder dass sie die Wäsche macht. In unseren Köpfen herrscht allerdings nach wie vor die Vorstellung, dass SIE die Wäsche intuitiv richtiger machen kann als er, oder dass SIE das Essen intuitiv besser kochen kann als er. Wir verhalten uns daher unbewusst so, als würde ihm der Haushalt schwerer fallen.

Spätestens, wenn das erste Kind da ist, rutschen sehr viele Paare in ein 50er-Jahre-Muster zurück: Sie kümmert sich um Kind und Haushalt, arbeitet Teilzeit, er arbeitet Vollzeit. Und so hört man doch noch oft Sätze wie «Oh, du machst einen Papitag, wie toll!» und gleichzeitig: «Was, du arbeitest 3 Tage die Woche – und deine Kinder??». Mit solchen Aussagen resp. den Lebensformen ist meistens aber beiden nicht gedient, weil beide, sowohl sie wie er, in völlig neue Rollen geworfen werden und viel Unterstützung bräuchten im Hinblick darauf, wie sie ihre Gleichrangigkeit aufrechterhalten können. Auch für die Männer – bleiben wir mal bei diesem Klischee – ist es sehr schwierig, ihr Recht auf Gleichbehandlung einzufordern, weil wir intrinsisch davon ausgehen, dass es der Frau leichter fällt zu wissen, was das Baby will, wenn es schreit. Das stimmt aber nicht. Es ist vielmehr eine Frage der Zeit, die man mit dem Baby verbringt, um es kennenzulernen und seine Wünsche zu deuten.

In diesem Zusammenhang erwähne ich gerne den «mental load», von welchem in der letzten Zeit immer wieder die Rede ist. Damit ist gemeint, dass die gesamte Denkarbeit das Kind betreffend automatisch der Frau zugeteilt wird – als wäre dies genetisch so bedingt. Die Frauen wiederum nehmen dies auch so an.

Kurzum: Wir alle werden in diese neue Situation mit Partnerschaft und Kind einfach reingeschmissen. Wir sind geprägt durch soziale Normen, Erwartungen und unser Umfeld. Die Kunst ist, zu merken, in welcher Konstellation wir uns eigentlich befinden und diese zu reflektieren. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit, Rollen, die schon lange so verteilt sind, zu ändern und Neues auszuprobieren, um herauszufinden, was wir selber möchten – und nicht zu tun, was von einem – manchmal vermeintlich – erwartet wird. Indem wir in uns hineinhorchen, unsere eigenen Bedürfnisse besser kennenlernen und uns trauen, andere Wege zu gehen, finden wir den Weg, der für uns passt.