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Männer und die Paartherapie

Aktualisiert: 9. Okt. 2023

Man sagt den Männern ja vielfach nach, dass sie sich gerne ein wenig sträuben, wenn es um Paartherapien geht. Vermutlich erwartet man nun von mir, dass ich dies für totalen Blödsinn erkläre. Man möge mir verzeihen: Dieser Vorwurf an die Adresse der Männer ist halbwegs richtig. Männer sind sich nämlich nicht so sehr gewohnt, Therapien von sich aus Vorschusslorbeeren zu geben. Sie sind eher selber die Macher – oder meinen dies zumindest, indem sie sagen, aber dann doch nicht machen – und haben daher auch ganz lange das Gefühl, dass sie alles im Griff haben. Aus diesem Grund muss es in ihren Augen auch eine Lösung geben für jedes Problem. Abgesehen davon halten sie es für peinlich, wenn man sich an andere Leute wenden muss, um Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Nicht umsonst dauert es bei Männern durchschnittlich sechs Jahre, bis sie zu einem Arzt gehen, auch wenn sie die ganze Zeit unter Schmerzen leiden. Natürlich sind aber nicht alle Männer gleich, und es betrifft auch Frauen. Und: Paarprobleme sind natürlich nicht nur heterosexuellen Paaren vorbehalten. Es spielt also überhaupt keine Rolle, mit wem man zusammen ist.

Wenn es nun in einer Partnerschaft kriselt und das Thema Paartherapie aufs Tapet gebracht wird, sie gerne eine Therapie in Angriff nehmen möchte und er sich dagegen sträubt, empfehle ich allen Paaren, diesen Schritt trotzdem zu wagen. In erster Linie geht es nämlich darum, die Beziehung einfach mal zu beleuchten – und dies lohnt sich jederzeit. Es ist immer gewinnbringend, wenn eine dritte, aussenstehende Person dabei ist und man selbst bereit ist, den Ansichten und der Meinung dieser Person ein Stück weit zuzuhören. Man wird Sachen zu hören bekommen, welche man von der Partnerin oder dem Partner nur sehr schlecht oder gar nicht annehmen kann. Manchmal wirkt es auf Frauen sehr beunruhigend, wenn sie sich anhören müssen resp. gespiegelt bekommen, was sie selbst nicht so toll machen. Und so kommt es auch vor, dass Männer sogar beginnen ihre Frauen zu verteidigen. Und gleichzeitig erfahren auch Männer, dass diese dritte Person nicht zwangsläufig auf der Seite der Frauen steht und sie nicht nur Vorwürfe zu hören bekommen, sondern dass die Beziehung durchaus kritisch angeschaut wird. Wider aller Erwartungen kann diese Intervention zu einer sehr guten Erfahrung werden.

In meiner Praxis habe ich viele Paare, die eine Therapie starten, und zwar aufgrund der unterschiedlichsten Probleme. Doch in praktisch allen Fällen beobachte ich, dass die Männer total skeptisch an die Sache herangehen und sich aber nach wenigen Sitzungen eingestehen müssen, dass dies doch eine ganz gute Sache ist. Viele merken in der Tat sehr schnell, dass man in diesem Setting viel ruhiger reden kann, dass Themen auf den Tisch kommen, welche auch sie betreffen und bei welchen sie sich bis anhin nicht gehört fühlten. So gestehen sich dann doch die meisten ein, dass sich die Therapie durchaus sehr lohnt.

Es gibt natürlich auch Männer, welche eine Paartherapie in Angriff nehmen möchten. Ein wenig verallgemeinernd ausgedrückt muss man aber sagen, dass in Fällen, in welchen sich der Mann meldet und die Frau eher unmotiviert ist, die Beziehung meistens gelaufen ist. Das tönt zwar hart, aber dennoch eine Beobachtung: Frauen kämpfen extrem lange für ihre Beziehung und sind auch ganz lange bereit, sehr vieles für diese zu tun. Aber wenn die Sache für sie quasi gegessen ist und sie die Therapie nur aus reinem Goodwill mitmacht – dann hat sie sich innerlich meistens schon aus der Beziehung verabschiedet.

Drum, liebe Männer: Scheut euch nicht, den Schritt zur Paartherapie zu machen, bevor Hopfen und Malz verloren sind. Gönnt euch stattdessen ein Hopfen mit Malz nach der ersten Stunde und stosst auf euch an :)

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