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Nur ja heisst ja

Aktualisiert: 9. Okt. 2023

Das Urteil im Vergewaltigungsprozess in Basel hat in den letzten Tagen für viel Empörung gesorgt. Das Basler Gericht hat einem Opfer die Mitschuld an der Tat gegeben und auf dieser Grundlage die Strafe für den Täter gesenkt. Die Gerichtspräsidentin habe das mildere Urteil zudem damit begründet, dass das Opfer «mit dem Feuer gespielt» habe, schrieb eine Tageszeitung.

Aus Erfahrung in der Praxis weiss ich nur zu gut, wie lange der Prozess der Patient*innen dauert, bis sie sich entschieden haben, ob sie den Missbrauch anzeigen. Das betrifft übrigens alles auch Männer – auch sie erleben sexuelle Gewalt. Eine grosse Rolle spielt dabei immer auch, wie der Umgang ist mit der Tat, wie die Befragungen stattfinden und vor allem, wie Urteile ausfallen.

Das Basler Urteil und die Argumente, die damit veröffentlicht wurden, haben nicht nur für sehr viel Unverständnis, sondern auch zu massiven Ängsten bei Opfern geführt.

Ängste, dass all die eigenen Unsicherheiten wahr werden. Dass es eben doch darauf ankommt, was sie tragen. Dass sie – unbewusst? – doch Avancen gemacht hätten, dass sie etwas falsch gemacht hätten und sie tatsächlich mitschuldig sind.

In den Therapien schauen wir all diese Ängste genau an. Aufgrund von diesem Urteil befürchten viele Patient*innen, dass sich die Arbeit und Verarbeitung nicht lohnt. Denn stellen sich ihre Ängste als wahr heraus, müssten sie lernen, dass all ihre Sorgen berechtigt sind und sie besser stillschweigend sexuelle Gewalt hinnehmen.

Ich hoffe sehr, dass trotz dieser Rechtsprechung ganz viele Frauen und Männer den Mut aufbringen, die Taten anzuzeigen. Denn nur so kann etwas verändert werden.

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