Monogamie – emotionale und sexuelle Treue also. In den meisten Beziehungen, zumindest in unserem Kulturkreis, wird sie implizit erwartet. Sie wird als logisch empfunden, aber unausgesprochen. Und doch wird sie immer wieder zum Thema. Und zwar dann, wenn sie in Frage gestellt wird. Durch irgendwelche Wünsche oder Bedürfnisse des einen oder der anderen, wenn der eine oder die andere sie nicht mehr möchte oder sich nicht daran gehalten hat. Alltag und Statistiken zeigen uns, dass so manches Paar Mühe hat damit, dieses monogame Modell zu leben, und mit der Aufrechterhaltung dieses Konzepts hadern, insbesondere in Langzeitbeziehungen. 50% der Ehen werden geschieden, in einem grossen Teil davon führt die Untreue zur Trennung. Wieso dann diese Monogamie?

 

Wichtig hierbei zu bemerken ist: Der Mensch ist eigentlich nicht gemacht für die Monogamie. Unsere Bedürfnisse, Fantasien, Wünsche und die Lust gehen immer in ganz viele verschiedene Richtungen und Endungen, was auch gut ist so. Es ist also viel mehr die Frage des Umgangs damit – ob ich all diesen Bedürfnissen nachspringe oder gewisse Sachen einfach unversucht lassen kann. Man muss sich also klarmachen, dass es im Leben Sachen gibt, auf welche man verzichten muss. Dass es der eigene freie Wille ist zu sagen, dass man etwas nicht bekommt, das man will, dass man eine Grenze wahrnimmt und merkt, dass man diese nicht überschreiten kann, obwohl es gerade seeehr weh tut.

Dabei ist es wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass es normal, gut und richtig ist, dass man sich für andere interessiert. Denn dies zeigt auf, dass der oder die eine nicht die einzig wahre Person ist und dass nicht gar nichts mehr ist, wenn diese eine Person weg ist.

 

Es gibt viele Leute, die diesem Klintsch mit ihren biologischen Bedürfnissen Rechnung tragen, offene Beziehungen führen, polyamor leben, was durchaus eine Variante darstellt. Das A und O ist allerdings, dass man darüber spricht und den Rahmen der Beziehung genau definiert. Gemeinsam. Man sollte sich unbedingt damit auseinandersetzen, sich bewusst werden, was man will, und damit, was für Konsequenzen auf einen zukommen mit welchem Art Modell, das man wählt.

 

Fakt ist: Die meisten wünschen sich eine monogame Beziehung. Dabei geht es insbesondere um die Angst, den anderen zu verlieren. Monogamie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, Struktur, Vorhersehbarkeit und Kontrolle. Denn man kann davon ausgehen, dass der andere nur einem selbst „gehört“. Was sich über die Jahre allerdings geändert hat ist, dass diese/r andere immer mehr erfüllen muss. Während die Frau früher fürs Zuhause und die Brut verantwortlih war, ist sie heute zusätzlich für ein weiteres Einkommen und die Befriedigung des Mannes zuständig und bildet somit quasi ein ganzes Package. Und auch vom Mann wird mehr abverlangt – er ist nicht mehr nur Ernährer, sondern auch Freund, Kinderbetreuer, Haushaltshilfe und Liebhaber. Viele von uns überfordert das alles. Je nach Schicht war es früher sogar üblich, dass man Liebhaber hatte, und dass man zu Prostitutierten ging, war total normal.

Die gegenseitige Abhängigkeit von Mann und Frau war noch vor wenigen Jahrzehnten immens – die gesamte Ökonomie eines Haushalts war darauf ausgerichtet. Die gelebte Monogamie konnte kaum in Frage gestellt werden – und wurde in den letzten Jahrhunderten durch das viel frühere Ableben auch eher mal beendet. Heute MUSS man aber nicht mehr monogam leben, man KANN. Und daher muss man sich entscheiden, was man will.

 

Fazit:

Das Traumbild dieser lebenslangen Treue weicht ab von der Realität – Monogamie fliegt einem nicht einfach zu. Man kann aber lernen, dieses Traumbild mit viel Arbeit und emotionalem Aushalten aufrechtzuerhalten. Den Aufwand dafür muss man aber selber betreiben. Das Wissen um die abweichenden, biologischen Bedürfnisse kann einem dabei helfen auszuhalten, in einer monogamen Beziehung zu bleiben und zu akzeptieren, dass sie phasenweise einfach *scheisse* ist.

Durch gewünschte und verbindliche Monogamie kann man aber auch viel gewinnen: Eine Intimität und Nähe, die man erst erlangen kann, wenn man viele Jahre und viele Phasen zusammen erlebt und durchlebt hat.

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